Super männliche Klobürste

„Alter, geil! Was waren das denn da eben für Standgebläse?! Die waren doch höchstens 12!“ – Eine Abfälligkeit über die man sich nur wenig wundern würde, würde man sie im Umfeld einer Baustelle, einer Hauptschule oder vielleicht noch einer Dorfdisco hören. Um so ärgerlicher und um ein Vielfaches verstörender, wenn eine künftige Führungsperson in Anwartschaft so über teils voll uniformierte Kameradinnen spricht.
Natürlich habe ich mir keine Illusionen zum Thema Sexismus und Chauvinismus in der Bundeswehr gemacht, was man aber in Regelmäßigkeit von den Herren der Schöpfung vernimmt, lässt nicht selten die Faust in der Tasche ballen und genervt abziehen, bevor man dem Primaten mit Geschlechtskomplex zeigt, was Frau alles kann.
Ich gebe zu, ich bin sicher alles andere als ein Beispiel, wenn es um ein gesundes Körperbild und die Selbstwahrnehmung der Geschlechtsrolle geht, aber solche Probleme mit mir kann ich gar nicht haben, wie sie einige Kollegen zu haben scheinen. „Das ist ein männliches Essen!“, „Das ist ein richtig männliches Bier!“, „Das ist ein männliches Auto!“, „Das ist eine männliche Waffe!“, „Das ist ein männlicher Kugelschreiber!“ und weil es natürlich nicht fehlen darf, ist man natürlich auch selbst total männlich, wenn man zum drölfzehnten Mal auf die wenigen Wochen der Grundausbildung zurück blickt, oder wie einige andere, auf die Erinnerung von Freunden und Kollegen an der Stelle zurückgreifen muss. Alles in Allem drängt sich mir bei solchen Geschichten immer der Gedanke auf, dass mein Gegenüber doch irgendwie eine krankhafte Fixierung auf die äußeren männlichen Geschlechtsmerkmale hat, als es für einen selbsternannten 110%ig heterosexuellen Mann üblich wäre.
Eklig wird es an der Stelle, wenn man sich auf der Zunge zergehen lässt, dass ein Teil dieser Hoden im Anzug feste Partnerinnen haben, die sie bei der Herabwürdigung von Frauen in üblicher Bigotterie ausklammern und dass der andere Teil mindestens 2 Frauen an jeder Hand hat, über die sie sich lustig machen, die sie in der Runde bloßstellen und über die sie herziehen und sie beschimpfen (sie sind dabei natürlich nicht dabei), dass man nicht nur die Faust ballt, sondern schon einen Stein oder Knüppel gedanklich zu suchen beginnt. Mit dem Vorwurf der Hinterlistigkeit und letztlich auch der Verletzung der Privatsphäre konfrontiert, zeigen sich die Herren unbetroffen und fühlen sich keinem Vergehen schuldig. Offensichtlich ist es vollkommen normal, dass Frauen auch noch, oder besonders in der Generation, die mit Gleichberechtigung und Diversität aufwuchs, nichts weiter als Triebzielscheiben auf zwei Beinen sind.

Interessant an der Stelle und für mich immer wieder ein Gedankenanstoß mich selbst zu hinterfragen, dass besagte Personen sich vor mir so ungeniert verhalten. Liegt es daran, dass ich trans bin, dass sie mich nicht wirklich als Frau wahrnehmen und sich daher so benehmen, oder liegt es daran, dass ich als Lesbe selbst auf Frauen stehe und sie meinen, ich sehe diese Objektifizierung ähnlich? Leider sind Frauen hier eher unterrepräsentiert, so dass ich kaum einen Vergleich habe, da ich nur in den seltensten Fällen unter Frauen und Männern bin.
Fakt ist für mich jedenfalls, auch im Umgang mit homosexuellen und transsexuellen Menschen, dass die Toleranz oft am eigenen Horizont und Umgang endet. Mit mir legt sich niemand an, aber auch in meinem Beisein, gibt es immer wieder dumme Sprüche gegen andere Betroffene, oder man macht sich über diese lustig, bis ich etwas sage oder angepisst gehe (und danach sicher auch in meiner Abwesenheit weiter).

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