Unbequem

Nein! Es geht nicht etwa um eine scheuernde Windel oder einen zwickenden Schlüpfer, auch der piekende Bügel-BH wird nicht zum Thema gemacht, sondern einfach und schlicht das behämmerte Zusammenleben der Tiere, die sich selbst vernunftbegabt bezeichnen. Offengestanden bezweifel ich, dass die folgende Gruppe von Personen auch nur von diesem geflügelten Wort hörte, geschweige denn weiß, wo es seinen Ursprung hat. Kleiner Spoiler: Nietzsche war es zur Abwechslung nicht; sucht stattdessen bei den großen alten Griechen.

In meiner Wohnsituation fühle ich mich immer mehr von Regen in die Traufe gekommen und bei denen mit den ich zusammen wohnen muss, trifft der Vergleich des Tiers in einigen Fällen besser als es einem Menschen lieb sein kann. Primitivstes Brunftverhalten. Keine Spur kameradschaftlicher Rücksichtnahme. Testosteron in Ballung. Glücklicherweise betrifft diese Beschreibung nur einige wenige Ausnahmen und erfüllt lediglich bestehende Klischees, dennoch trüben sie das Bild in einem Maße, dass alles drum herum auch kaum noch als positiv erkennbar ist.

Doch auch um diese Erscheinungen soll es im Kern gar nicht gehen; viel mehr ist mir wieder aufgefallen wie schnell man zu einer großen dicken Zielscheibe wird, wenn man eben solche Zustände nicht duldet und sogar so weich in der Birne ist, dagegen aktiv vorzugehen. Man wird schnell unbequem und in dieser Eigenschaft, wie erwähnt, schnell die Zielscheibe für den Gram der anderen. Damit kann ich leben. Was mich jedoch massiv ankotzt: dass meine Kollegen die mich eigentlich unterstützen sollten, da ich auch ihnen helfe, mich im Ernstfall immer wieder hängen lassen und so tun, als sei nie etwas passiert. Besonders kluge Köpfe suchen sogar die Nähe zum Feind (Vorsicht: Übertreibung) und trinken Verbrüderung.

Besoffen lässt sich echt vieles um einiges leichter ertragen. Blöd nur, dass ich mir das mit dem Suff schon seit ein paar Wochen nicht mehr antue, nachdem ich mitbekommen habe, dass es nicht nur viel zu viel geworden ist, sondern dass ich auch körperlich extrem drunter zu leiden begann.

Also geht man weiter nüchtern mit offenen Augen durch die Welt und ärgert sich, grummelt vor sich hin und tut besser gut daran, feige schweigend mit dem Strom zu schwimmen. Wie erfolgreich ich bei diesem Vorhaben bin, muss ich wohl nicht sagen. Heute habe ich seit einer Ewigkeit mal wieder einen Kommentar unter einem Video auf YT bekommen und stellte nur wenig überrascht fest, dass die Quote von Daumen runter zu Daumen hoch bei 4:1 liegt. Kein Wunder, störe ich doch die Ruhe und weiche von den eingeschliffenen Feindbildern der LGBTIQ-Szene ab. Aber mal ehrlich: Was zum Henker soll ich denn Tag für Tag über all die bösen Nazis (AfDs, Reichsbürger, Trump, Putin, CDU/CSU, Grünennichtwähler, Dackelbesitzer, Schützenvereinmitglieder, Biertrinker, Genderingverweigererinnen, Dieselfahrer, Stromerzeuger, Stromverbraucher, Hosenträger, Samstags-Rasemäher, FAZ-Leser, Spitzendeckchenaufdemkaffeetischliegenhaber und viele viele mehr) in der Welt schreiben?! Gut, ich könnte mich das drölfzehnte Mal darüber auslassen, wie ungerecht die Welt für Leute ist, die selber nicht wissen, was sie wollen und wie schwer es ist, seinen Geschlechtseintrag zu ändern, wenn man keinen Grund dafür hat und außerdem noch, wie ungerecht es ist, wenn ich von der Sparkasse als Kunde, statt als Kundin angeschrieben werde (nebenbei: war nach meiner Namens und Personenstandsänderung nicht einmal der Fall). Ich könnte aber auch Probleme erfassen und sie angehen, wenn ich sie schon nicht von jetzt auf gleich ändern kann, auch auf die Gefahr in, selbst in der langen Liste der Nazis zu landen. Ich meine, es ist schon ziemlich scheiße, wenn man es einfach nicht gebacken bekommt, etwas zu ändern, stattdessen aber lieber herum jammert, wie schlimm das alles ist. Ein Beispiel aus dem Alltag hier:

Irgendwo liegt Müll mitten in der Botanik herum. Typ XYZ-Fetti stellt den Müll fest und ärgert sich über diesen. Nun überlegt der Typi, wie in dieser Situation am besten zu verfahren ist.
An der Stelle halten wir kurz Inne und horchen in uns hinein. Der Müll liegt unbeweglich herum – wir sind gesund und mobil – der Weg zum Mülleimer kostet und keine Minute und vielleicht ein müdes Lächeln.
Wenn DU, Leser_in, nun in deinem Kopf zum Ereignis kamst, dass Du dich bückst, den Müll nimmst und ihn selbst in den vorgesehenen Behälter bringst, dann darf man Dir und Deinen Alten gratulieren, es lief mit Sicherheit nicht alles bei Deiner Erziehung schief.
Wenn Du jedoch so reagierst, wie XYZ-Fetti, nimmst du dein cleveres mobiles Endgerät zur drahtlosen und unpersönlichen Kommunikation und lichtest den Müll in einer sportlich bedrohlichen Perspektive ab und stellst das Bild, zusammen mit ein paar Worten der Anklage und Empörung, in die Chatgruppe der Wahl, um dir einmal richtig Luft zu machen. Besonderes Gewicht erhält deine Anklage bei den Leuten, die Wissen, dass du eine faule Socke bist, die selbst nicht einmal den Müll in der Lage zu leeren ist, aber immer fleißig auf die Fehler der anderen hinweist.
Wenn du dich in der letzten Beschreibung wiederfindest, bitte ich dich, fang an Skateboardtricks zu üben, oder erlerne eine andere Sportart, bei der deine Testikel früher oder später deiner Blödheit zum Opfer fallen. Doch nicht nur das, versammel deine Erzeugereinheiten vor der Mikrowelle, überbrücke die Schutzschaltung der Tür und bestrahle sie für 6 Stunden, 34 Minuten und 12 Sekunden bei 1200W. Das sollte verhindern, dass noch mehr von deiner Art diesen Planet bevölkern. Alternativ kannst du mit deinen Eltern auch die Müllpolizei bei einem Fußballspiel der 2. oder 3. Bundesliga spielen und Ultras darauf hinweisen, wo ihre Bierdosen und Feuerwerkskörper eigentlich hin gehören, wenn sie diese in Richtung der uniformierten Kräfte werfen. Ich denke, der eine oder andere Hool hat sicher eine nette Verwendung für dich und seinen Polen-Böller!

In dem Sinne, ich bleibe auch weiterhin unbequem und aktiv und freue mich auch vorfreudig darauf, dass ich Menschen damit nicht nur reize, sondern auch hoffnungslos überfordere.

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