Wo anfangen..?!

Ihr kennt das vielleicht: man möchte am liebsten 500 Dinge zur gleichen Zeit tun. Statt dem Gesetz der Vernunft zu folgen und an einer Stelle einfach zu beginnen und so den Stapel abzuarbeiten, schleicht man um die Vorhaben, wie die Katze ums Mauseloch. Was dabei am Ende heraus kommt, ist klar: das Eine blockiert das Andere und am Ende kommt nichts durch die kleine Öffnung des Trichters oder Rohrs, das unsere Fähigkeit zur Abarbeitung beschreibt. Stau!

Ich muss lernen, muss Dinge ausarbeiten, muss mich vorbereiten, muss hier schreiben, muss mich um meine Geschichten kümmern, muss Sport machen, die wenigen sozialen Kontakte pflegen und muss noch so viel mehr. Dazwischen kommen noch verpflichtende unverrückbare Dinge wie Vorlesungen, Veranstaltungen und Belanglosigkeiten wie das Einkaufen des nötigsten, damit der Körper auch auf Dauer funktioniert und nicht zu stinken beginnt.
Die Realität ist von sehr viel studententypischer Prokrastination geprägt. Ich bereite mich auf das Unausweichliche vor, bearbeite gestellte Aufgaben und versuche irgendwie die Zeit des Tages sinnvoll zu nutzen. Da diese Zeit jedoch begrenzt ist und ich zur Zeit wieder sehr unter der Schilddrüsenunterfunktion leide (keine Ausrede) habe ich ein enormes Schlafbedürfnis und für elementar wichtige Dinge wie Mathe und technische Mechanik bleibt kaum mehr Zeit, als die Sichtung der Unterlagen oder eine kurze Diskussion des Stoffes.

Ebenfalls viel zu viel Zeit fressen die ständigen und andauernden Diskussionen mit Leuten, die nicht begreifen, dass es bei der Bundeswehr, auch im Zivilen, nun einmal eine Befehlskette gibt. Im Großen und Ganzen bin ich genau so ein kleines Licht wie meine Kollegen – im Mikrokosmos unseres Hauses in dem wir untergebracht sind, bin ich stellvertretende Cheffin und versuche nach besten Wissen und Gewissen alles am Laufen zu halten und fair zu sein. Natürlich kommt es dabei auch einmal vor, dass ich die eine oder andere Regel aus der Hausordnung durchsetzen, oder operative Reglungen finden muss, wenn es die Lage erfordert. Die Masse der Leute, vor allem die Soldaten, hat damit kein Problem und fügt sich.
An der Stelle ein kurzer Hinweis: ich lasse niemanden in Uniform bei Platzregen ums Haus rennen und Loblieder auf mich und meinen Arsch singen. Viel mehr sind es unmenschliche und zeitaufwendige Dinge ‚Den Müll raus bringen‘, ‚Die Arbeitsplatte in der Küche abwischen‘ oder auch nur die Aufforderung in Anwendung der Hausordnung, kein Geschirr/Besteck und schon gar keine Lebensmittel in der Gemeinschaftsküche herum liegen zu lassen.
Ich lehne mich wahrscheinlich sehr weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass man es eigentlich erwarten können sollte, dass angehende Ingenieure und Führungspersonen solche Dinge von allein sehen/wissen und wenn nicht, nach einmaligen Hinweis verinnerlicht haben müssten. Fehlanzeige! Es gibt immer wieder 2 – 3 Kindsköpfe, denen man ohne die lieben Eltern zu kennen, anmerkt, dass sie unter Garantie und der Annahme jeglicher Wetten, nicht nur antiautoritär erzogen wurden, sondern auch noch bis zu ihrem „Auszug“ um zur Bundeswehr zu gehen, den Arsch hinterher geräumt bekommen haben.
Die Einen kommen frisch von der Schule und ihre größte Leistung im Leben bestand im Abitur in welcher Form auch immer, die anderen sind schon ein wenig älter und geben Rätsel auf, wie es Frau und Kinder mit so viel Unselbstständigkeit und der Ablehnung einfachster Regeln und Ordnung aushalten.
Glücklicherweise sitze ich auf lange Sicht am längeren Hebel, habe mehr Leute hinter mir als gegen mich stehen und die Problemkinder ziehen nach und nach aus und gehen anderen Hausältesten auf den Zeiger – zumindest hoffe ich das.

Sei’s drum! Ich muss feststellen, dass Studium wie ich es mir vorgestellt habe gibt es nicht, doch sieht die Realität ähnlich beängstigend und anstrengend aus.
Besonders schwer für mich derzeit, dass ich keine Möglichkeit habe mich zurück zu ziehen und einen Reset zu vollziehen, wenn der Tag wirklich beschissen gelaufen ist. Ich merke immer mehr, dass die Akkus nicht mehr laden und so langsam auf den Nullpunkt zusteuern. Ich habe immer mehr Herzprobleme abseits des Zyklus in dem es mir immer ein wenig schlechter geht, ich sehe schlechter als sonst, habe ständig Schmerzen, vor allem im Rücken und bin unkonzentriert.
Das Vorhaben hier in München schon im Vorfeld Leute zu finden, mit denen man klar kommt, hat wieder nicht geklappt und so komme ich auch nicht raus. Von Montag bis Donnerstag komme ich in der Regel nicht vor 23 Uhr – Mitternacht vom Schreibtisch weg und Freitag und Samstag brauche ich einfach zum Erholen, wenn es Sonntag bereits wieder losgeht, damit sich auf den Stoff vorzubereiten.

Auch wenn das jetzt alles wieder nach ganz viel Gejammer auf höchsten Niveau klingt, so bin ich doch froh diesen Schritt gegangen zu sein, da es als eine Erfahrung sicher unbezahlbar ist. Ich denke der Rest, vor allem mit dem Ausgleich und den Kontakten im Umland, um ein wenig Entspannung und zu sich selbst zu finden, kommt von ganz allein.
Positiv bleibt zu berichten, dass ich auf die meisten Menschen hier, vor allem die Soldaten und Soldatinnen mit denen ich häufiger zu tun habe, eine positive Wirkung zu scheinen habe und einen gewissen Wiedererkennungswert habe. Neulich wurde ich über einen Kameraden in Grün von einer Soldatin angesprochen, die die unterschiedlichsten und ausgefallensten Charaktere auf dem Campus sucht und für ihre Arbeit im Bild festhalten möchte. Da dies meiner zugegebenen Eitelkeit schmeichelt und ich ohnehin gern helfe (die Dame ist sehr nett und originell) habe ich ohne zu zögern zugestimmt und mich ablichten lassen. Ich bin auf das Ergebnis gespannt und freue mich, eines der Gesichter des Campus zu sein.

Für die kommende Woche hoffe ich doch einmal in die Stadt zu kommen und mir bei einem Endokrinologen einen Termin zu machen, bevor ich am Mottwoch nach fast einem Monat mal wieder in die Heimat rase.

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