Angekommen, aber nicht daheim…

Mehr als ein Monat ist nun vergangen, ich bin die vierte Woche vor Ort und in 2 erschöpfenden Fahrten habe ich fast alles geholt, was ich so für den täglichen Gebrauch hier benötige. Seit gestern hat mein großer Rechenknecht auch wieder Internet, wenn es auch eher sporadisch, launisch und nicht selten tröpfelnd über den Äther geht. Doch mein Auto könnte noch so groß sein und ich noch so oft fahren, es gibt etwas das kann ich nicht transportieren oder nachkaufen: das wohlige Gefühl von Heimat. Ich bin weitab von dem, was ich meinen Ursprung nennen würde, fern ab von allem was Privatsphäre heißt und der Rückzug in die Stube klappt nur bedingt, wenn man Leute um sich hat, die alle frisch aus dem Hotel Mama heraus getropft sind und sich dementsprechend benehmen, wie man es von verzogenen Kindern erwartet. Ich weiß nicht, ab welchem Jahr man den Scheißern nicht mehr beigebracht hat, wie eine Türklinke funktioniert, oder wie man sich auf 2 Beinen bewegt, ohne dass große graue Dickhäuter neidvoll erblassen würden. Egal!
Um fair zu bleiben, es sind ja nicht nur die anderen, die keine heimischen Gefühle aufkommen lassen, sondern auch alles andere drum herum. Die Bude ist nur begrenzt modifizierbar, man schleppt zum Kochen in einer Tour alles aus der Stube in die Küche und kocht am Ende Essen, welches man in der heimischen Küche günstiger gezaubert hätte. Zudem frisst man einen Haufen Scheiße (Junkfood) in sich hinein, weil sonst einfach die Zeit fehlt, bzw. man sich in der Küche gegenseitig auf die Füße steigt, oder keinen Bock hat, im Mist den die anderen hinterlassen haben, die eigenen Speisen zu zubereiten. Es ist wieder nur eine Zwischenstation und widerspricht den Zuständen, welchen man erwartet durfte, wenn man der Werbung glaubte, nicht nur in einem Punkt. Aber es ist nicht alles Scheiße – das zumindest mache ich mir selbst immer wieder glauben und nehme es mir auch ab.

Für mich die größte Umstellung, dass ich nun eigentlich permanent jemand um mich habe. Ich bin es gewohnt allein zu sein und nach Möglichkeit auch meine Ruhe zu haben. Jetzt habe ich ständig wen um mich, wenn ich mich nicht wirklich aktiv zurück ziehe. Die meisten sind OK und auch bemüht. Letzte Woche habe ich zum Beispiel dem Alkohol ein wenig zu stark zugesprochen und hatte am nächsten Tag mehr als es mir lieb war mit meinen Flashbacks zu tun. Der harte Kern um mich kam immerhin ab und an an meine Stube und fragte nach meinem Befinden und ob sie helfen können. An sich ein schönes Gefühl, wenn auch kein Verständnis hinter dieser Sorge stand.
Mir dennoch fehlt jemand in meinem Alter, oder doch wenigstens von meiner geistigen Reife, um mich zu unterhalten. Einzeln genommen kann man sich mit fast allen austauschen, kommt aber auch nur eine Person mehr dazu, beginnt das Platzhirschverhalten und um mich beginnt sich schnell ein Karussell aus Übertölpelungen zu drehen. Es ist, wenn man es so sagen kann, ein permanenter Schwanzvergleich, ohne diese jedoch auszupacken. Nicht, dass ich daran ein gesteigertes Interesse haben würde, aber dann wäre das Messen mit einem Mal erledigt und man müsste sich nicht im ewigen Prahlen mit der Neigung zu Saufen, (Extrem-)Sport zu treiben, gefährliches Halbwissen in die Welt zu posaunen oder ähnlichen Dingen aufhalten. Aber das ist in dem Alter wohl so und ich meine, ich war selbst wohl keinen Dreck besser. Es nervt dennoch extrem, wenn man beim Einkauf nicht an die Kasse gehen kann, weil einer der erzwungenen WG-Bewohner an der Nobelleberzirrhose arbeitet und sich zu diesem Zweck Fusel kauft, für dessen Preis ich früher eine Woche hätte saufen können. Doch auch das ist egal.

Mir nagt das Gefühl nicht angekommen zu sein an den Nerven und ich suche Halt, ohne ihn zu finden. Wie soll man den auch hier finden, wo man doch nur Gast ist und das immer wieder auf die Stulle bekommt?!

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