Der Boden der Tatsachen – Zurück…

… aus dem Tal der Ahnungslosen im Leben zwischen denen die noch geblieben sind.

Es ist ja nun ein Tag und ein Monat vergangen, seit dem ich das letzte Mal ein Zeichen meiner bestehenden Existenz von mir gab. Der Grund für dieses Verhalten ist so einfach, wie ein Vorurteil zu haben: ich bin nun seit dem 03.09.2018 bei der Bundeswehr als Beamtenanwärterin im Studium tätig. Trotz meiner vielen Jahre auf der Schulbank und meinen Jahren im öffentlichen Dienst, ist es doch vollkommenes Neuland.

Zuerst einmal war es in meiner beruflichen Vergangenheit so, dass ich einen Feierabend hatte und mich in dieser Zeit für mich selbst in meiner Höhle verkriechen konnte. Ich konnte ein Bad nehmen oder duschen gehen, konnte mir einfach etwas kochen und konnte mich in dieser meiner freien Zeit kleiden, wie es mir gerade war. Seit 3 Wochen teile ich mein Leben mit einer Gruppe unbekannter Menschen, von denen jeder für sich sehr speziell ist. Die Einen mag ich, die Anderen würde ich gern vor einen Zug stoßen und viele sind mir einfach vollkommen egal. Hin und wieder wechselt auch einmal eine Person die Zugehörigkeit zu den genannten Gruppen. Generell ist der Haufen sehr bunt, aber ich bin immerhin nicht wieder die mit Abstand Älteste, auch wenn ich schon die Rolle der Truppenmutti inne habe. Mit mir und meiner Transsexualität kann sicher auch nicht jede/r, aber an sich werde ich doch sehr freundlich und in den meisten Fällen auch sehr offen empfangen und nicht selten neugierig und interessiert ausgefragt. Ich bewerte das einmal als positiv.
Eher unschön empfinde ich die Wohnsituation speziell im Bezug auf die Hygiene und die sanitären Einrichtungen. Unser Haus hier ist eine Baustelle, es gibt für unser Stockwerk nur eine einzige Damentoilette und KEINE Dusche. Entweder duschen wir in einem Nachbargebäude, oder teilen uns die Dusche mit den Herren der Schöpfung. Die letzte Lösung ist sicher nicht die optimalste Sache der Dinge, aber bisher lief es gut und bei dem langsam einsetzenden Herbstwetter, vor allem in den Abendstunden, will man nicht durchs Gelände rennen um zu duschen. Wirklich eklig und zumindest für mich ein Grund für gelegendliche Wutanfälle: dass die Damentoilette mit kackendreister Selbstverständlichkeit von den süd-osteuropäischen Arbeitern im Haus genutzt und verwüstet und beschmutzt hinterlassen wurde, die in unserem Stockwerk eigentlich gar nicht zu schaffen haben. Nachdem ich nun gestern in Absprache mit der Hausadministratur das Abschließen der Toilette veranlasst habe, habe ich diese heute geputzt und alle Spuren der Arbeiter beseitigt. Im selben Zug habe diese Auch aus unserer Küche verbannt, in der sie sich ebenfalls breit gemacht haben, obwohl es ihnen untersagt wurde. Sollte das Ärger geben, freue ich mich schon jetzt darauf, da dies kein sonderlich gutes Licht auf die Bundeswehr wirft, die sich medial immer wieder darum bemüht, auch Frauen und nun auch sexuelle Randgruppen für sich zu werben. Generell muss ich feststellen dass die meisten Dienstleister die hier für die Bundeswehr tätig sind, mit denen ich direkt oder indirekt auch schon in Kontakt stand, ihre Arbeit mangelhaft oder gar nicht erledigt haben. Die Bauarbeiter erwähnte ich ja bereits. Ich habe sie bisher nur herumstehen, rauchen und Kaffee schlürfen sehen, oder sie schlichen zwielichtig durch die Gänge. Das Reinigungspersonal habe ich noch gar nicht wahrgenommen und wenn es mir im Hörsaalzentrum doch einmal über den Weg lief, wirkte es so motiviert wie ich, wenn ich früh um 3 ein Bad fliesen und verfugen soll… Im HSZ liegt seit einer Woche auf der Damentoilette, in der einzigen begehbaren Kabine eine Foliehülle eines Tampons. Meine Kommilitonin und ich haben beschlossen, es liegen zu lassen und es als ein Experiment zu sehen, wie lang eine Person gezielt rings um diese Hinterlassenschaft reinigen kann, so sie, wie offen behauptet, gewissenhaft reinigt.
Der Stoff, in dem Fall war es Mathe in Form eines Vorkurses um das Niveau anzugleichen und den Einstieg zu erleichtern, ist sehr kompakt und zumindest die ersten Vorlesungen waren ab Mittwoch so, dass man zu tun hatte, mitzuschreiben – mit Denken war da nicht all zu viel. Die Übungen waren dafür aber goldwert, wenn auch für mich nicht selten ernüchtern. Ich muss etwas machen und das kann ich nicht beschönigen! Mittwoch war es sogar so schlimm, dass ich die Flucht ergriff um auf der Toilette bei der Tamponhülle einmal kurz durchzuatmen und mich zu sammeln. Angst – Panik – Verzweiflung – Wut und das alles ohne, dass man die Grenzen der Phasen hätte abstecken können. Gefährlich! Das muss ich vor der ersten Prüfung, die schon im Dezember vor Weihnachten ansteht, auf die Reihe bekommen.

Was gibt es sonst? Ich bin hin und wieder recht zufrieden mit mir! Ich habe um einiges mehr geschafft, als ich es selbst noch vor kurzen dachte. An einem Wochenende habe ich in meinem getreuen Audi A3 Egon, gut 1200 Kilometer geschruppt und bin immer gut angekommen. Ich habe auf diesen Reisen quasi 2 kleine Umzüge über die Bühne gebracht und alles dabei, was man zum Leben braucht. Der ‚Luxus‘ muss dann später nachgeholt werden.
Einzig ein wenig sorgen mache ich mir, weil ich bisher kein Geld gesehen habe, aber natürlich laufende Kosten habe, die mit dem Auto auch nicht weniger geworden sind. Meine Bude läuft weiter, hier muss ich essen, meist in der Mensa, viele Dinge des täglichen Lebens muss man sich erst wieder anschaffen und bis so eine Ausstattung steht, ist es nicht billig. Ebenfalls nicht so einfach wie erhofft, die Krankenversicherung und ähnliche notwendige Kleinigkeiten.

Für den Moment werde ich mich wieder in der Stille abseits des Internets verkriechen und ein wenig Ruhe suchen. Vielleicht finde ich ja ein wenig Schlaf vor Mitternacht und kann morgen auch länger als nur bis 6 Uhr am Morgen schlafen.

Pro-Tipp: Wer zur Bundeswehr geht, sollte entsprechend viele Steckplätze für Chip- und ID-Karten  in der Geldbörse haben, sonst muss man sich wohl von der Karte des Superfanheldenclubs trennen! Eine Karte für die Bibliothek erhält man in jedem Fall!

Advertisements

Ein Kommentar zu „Der Boden der Tatsachen – Zurück…

  1. Selbst als Soldat hatte ich auf Lehrgängen eine Einzel Stube und musste mir nur das Bad mit jemanden teilen. Selbst im Einsatz waren wir nur 4 Mann im Zimmer und zusammen ein Bad. Nur die Grundausbildung war anders. Bei der Bundeswehr gibt es viele Möglichkeiten sich zu beschweren und der letzte Gang sollte der Wehrbeauftragte sein. Aber ich wünsche Dir viel Erfolg und ich hoffe deine Situation verbessert sich noch. LG Joscelind

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s