Dietland – just wow!

Ich muss gestehen, ich bin eine Serienjunkyin (kann man das gendern? Und selbst wenn nicht, ich tu‘ es!)!

Ich hatte an diesem Wochenende, nach mehreren Wochen, die ich selbst über Ideen brütete und viel Text produzierte, mal wieder ein wenig Konsum nötig. Was eignet sich da besser, als eine gute Serie? Sie ist ausgiebiger als ein Film, wobei der Herr der Ringe I – III Extended sicher länger als manche Serie sind und es auch Serien gibt, die einfach sinnlos in die Länge gezogen werden – auch auf die Gefahr gesteinigt zu werden – Game of Thrones!

Ich begann am Samstag mit Goliath als Produktion von Amazon. Viele stehen den Amazonproduktionen ja immer skeptisch gegenüber und nicht selten werden diese verrrissen oder gefeiert, ohne dass es etwas dazwischen gibt. Amazon’s Bosch habe ich gefeiert und konnte es kaum erwarten, dass die neue Staffel kam, die ich ebenfalls am Wochenende am Stück geschaut habe. Vor diesem Hintergrund war ich mir eigentlich fast sicher, dass auch Goliath meinen Geschmack treffen würde. Was soll ich sagen? Staffel Eins habe gestern geschaut und war total begeistert. Volle 5 Sterne. Vor Staffel 2 hatte ich ein wenig Bammel, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man einen solchen Start toppen konnte und ich hatte Recht. Die Zweite dümpelt bei 3 – 4 Sternen herum, wirkt schlecht konstruiert und teils lieblos. Die Vorletzte Episode war eine vollkommene Katastrophe und das Finale und der Ausgang zwar realistisch, aber enttäuschend. Als suchten die Autoren erst eine Idee auf 8 Folgen zu strecken, und am ende abzuwürgen. Schade!

Von dieser mageren Leistung ein wenig enttäuscht, dachte ich an etwas leichtes und Amazon schlug mir Dietland vor.
Das Thumb mit der korpulenten Frau, die ein Stück Torte, statt einem Molotow-Cocktail, zum Werfen bereit hielt, wie man es von linksextremen und feministischen Kampfplakaten kennt, sprach mein Humorzentrum an. „Das interessiert mich jetzt!“, dachte ich und klickte.
Der Anfang wirkt komödiantisch und ist mit einer riesigen Portion Selbstironie einer dicken Frau garniert. Diese Frau, von allen nur Plum (Pflaume) genannt, versucht verzweifelt abzunehmen, spart auf eine OP, die ihr dabei helfen soll und rennt zu unmöglichen Treffen der Weightwatchers (die man in der Serie natürlich anders nannte). Diese Treffen wurden von einer farblosen Frau in zu großer Kleidung und offensichtlich ohne viel Freude im eigenen Leben geleitet, die nun versuchte die Moppel um sich zu formen und zu motivieren.
Ihren traurigen Lebensunterhalt bestreitet Plum als eine Art Ghostwriterin, die in einem Frauen-/Mädchenmagazin, die Leserbriefe an das Gesicht des Magazins, eine egozentrische, eiskalte Knochenhexe, beantwortet. Ungesehen und ungehört, verkörpert sie nicht nur die Stimme der Vernunft, sondern ist auch so etwas wie die Menschlichkeit und der gute Geist, der ihrer Cheffin in Gänze fehlen.

Nachdem man diese Zusammenhänge recht einfach erfasst hat, tauchen die ersten komischen Gestalten auf, ergeben sich die ersten Verbindungen und Zusammenhänge und mit einem Mal machen die seltsamen Einspieler einen Sinn – die ganze Story nimmt rasant Fahrt auf!

Zu den inhaltlichen Details möchte ich mich an der Stelle nicht weiter äußern um niemand unter Euch zu spoilern und den Spaß mein Ansehen zu verderben, darum bleibe ich nun bei der Wirkung, die die Serie auf mich (bisher – da noch nicht beendet) hatte.

Medial betrachtet, bin ich eine Assel unter einem Stein – an mir geht so gut wie alles vorbei, was in Radio oder Glotze vor sich geht, wenn mich nicht satirische Sendungen wie etwa South Park auf etwas stoßen.
Es sind die Extreme: auf der einen Seite haben wir da Honey Boo Boo, als ein abschreckendes Beispiel der Degeneration und schamlosen Zurschaustellung dieser, auf der anderen Seite gibt es diese von Aggression und Boshaftigkeit getragenen Kampanien, wie das Fat Shaming. Nun würde ich gern sagen, dass dies Phänomene der US-Amerikanischen Kultur und Medienlandschaft sind, sind es aber nicht, da wird so gut wie alles, vor Allem diesen bildungsfernen Scheiß in Massen importieren. Deutsche Sender werben mit Molly-Modellshows, um eine breite Masse Idioten zu unterhalten, damit sie eine halbe Stunde am Abend ihre eigene Armseligkeit vergessen, und auf die Dicken zeigen können. Von den Plakaten der Kippenindustrie grinsen mich 20 Jährige an, die aussehen wie 40 und auch nicht viel mehr wiegen, aber einen super Lifestyle haben. Dazu kommen dann noch diese ganzen Hipstarveganerfairtradekaffeeschlürfer mit der Sojamilch im Kaffee, die mich zu einer Spende, oder doch wenigstens zu einer Designerhornbrille bewegen wollen. Eine Mitte, bestehend aus echten Menschen, nicht ‚Mitten im Leben‘- Darsteller, findet man so gut wie nicht mehr.
Um so mehr habe ich mich gefreut, dass diese Serie nicht nur unterhalten möchte und das traurige verletzte Seelenleben einer Frau mit krankhaften Übergewicht und mangelndem Selbstbewusstsein portraitiert hat, sondern Tatsache eine Botschaft hatte. Scheiß drauf! Nicht nur eine Botschaft, sondern gleich eine Hand voll und jede einzelne hat sich gewaschen!

Körpergefühl
Nicht ein anderer Menschen und schon gar keine Waage, bestimmen wie wir uns fühlen und wie wir aussehen sollten. So lange man gesundheitlich nichts riskiert, sind ein paar Falten, Spreckrollen, ein dicker Arsch und vieles anderes nicht schlimm und auch nicht schändlich.
Natürlich, wenn der Blutdruck durch die Decke geht, das Herz selbst im Sitzen arbeitet, als Laufe man einen Marathon und die Füße langsam schwarz werden, weil Diabetes wie eine 89 Jährige hat, muss man etwas machen und ich denke, da sind wir uns einig, fühlt man sich auch nicht mehr wohl mit.
Aber von dürren Kettenrauchenden Barbies, sich diktieren zu lassen, wie man aussehen muss, damit man dazu gehört, darauf kann man kacken – gepflegt, mit Schokostreusel oben drauf!
Es ist wichtig, dass man sich selbst annimmt und liebt und nicht für andere lebt. Der Spruch mag alt und abgedroschen sein, aber: „Wer mich nicht mag wie ich bin, der hat mich anders auch gar nicht verdient“ Dies kann man nun variieren und durch Vieles ersetzen und bereichern. Sei es das Gewicht und der Körperumfang, die reine Haut, ob man vielleicht optische oder psychische Macken hat, sei es die Stimme, oder was auch immer. Sie gehören einfach zu uns!

Extremismus ist Scheiße!
Eigentlich hätte ich auch schon die Erste und alles aus dieser Serie in diese These packen können, aber das wäre ziemlich undifferenziert und wir sind ja hier nicht bei in den Mainstreammedien.
Eigentlich ist schon diese Aussage ziemlich pauschalisierend und neigt zum Extremismus – bewusst!
Nicht nur Plum, sondern auch die Stadt in der sie lebt und wirkt, gerät ins Visier einer radikalen Gruppe von Feministinnen (Feministen?). Diese handeln sicher aus vollster Überzeugung, haben sich auch bestimmt in den Ursprüngen den besten Absichten verschrieben, gehen dann aber so weit für ihren Kampf zu töten und dabei die Opfer willkürlich nach einer fragwürdigen Moralvorstellung zu wählen. Nachdem ein paar Männer starben, erweiterte man den Fokus auch auf die, die man vorgibt schützen zu wollen und macht damit alles nur noch viel schlimmer. Wie in der realen Welt geraten auch harmlose Frauenschutzorganisationen und unorganisierte Feministinnen in den Sog der Verdächtigungen dieser Gruppe nahe zu stehen und finden sich in einer polarisierenden Debatte wieder.
Ich sehe, und dies ist meine persönliche Meinung und nicht die der Autoren und Produzenten der Serie, diese Entwicklung und Darstellung exemplarisch für so gut wie alle extreme Bewegungen. Sein es nun extreme Rechte, extreme Linke, extreme Tierschützer, AKW-Gegner, Hausbesetzer, (Un-)Gläubige und wie sie nicht sonst alle heißen. Selbst die Sorte Musikfan, die intolerant und hasserfüllt gegen Jene vorgeht, die ihm/ihr nicht passen, sind zum Kotzen! Ich weiß wovon ich rede, ich war selbst in genug radikalen Bewegungen und am Rande solcher Organisationen und ich kann aus dieser Zeit genug berichten und habe eine große Weisheit für mein Leben gelernt: die Aktionen radikaler Gruppen, bringen die Ziele und Ideale der gemäßigten nicht weiter, ganz im Gegenteil!
Was hat es zum Beispiel mit dem Recht auf Selbstbestimmung, mit dem Recht über den eigenen Körper zu bestimmen, zu tun, wenn man einen Verein, der unter anderem eine Babyklappe betreibt, angreift, weil dieser, oder sein Umfeld, sich auf einer Demo gegen Abtreibung präsent zeigen?! Nichts! Gar nichts!
Aber ich bekomme das Kotzen, wenn dann solche Bilder und Slogans sehe, wie: „Für jedes Kind das ihr bekommt, treiben wir eines ab!“

Quelle Twitter  – siehe Source (ebenfalls hetzerischer Tweet)
Anm.: genaues Thema der Demo nicht mehr eindeutig feststellbar

Mal ganz von der Geschmacklosigkeit und der Tatsache, dass es hier um Leben geht abgesehen, ist das primitiv und nicht hilfreich für nichts, außer um jedes Mal aufs neue den Beweis zu führen, dass jegliche Form von Extremismus bedingt, dass das Hirn nicht nur schläft, sondern in weiten Arealen tot sein muss!
Wo war ich? Ach ja, Extremismus!
Es macht für mich keinen Unterschied, ob man nun versucht einen Molotow-Cocktail gegen ein Asylheim zu schmeißen, oder in eine Reihe von Polizisten, denn ob der eine nun eine dunkle Haut hat und der andere eine oliv-grüne Uniform, es sind beides Menschen und verdienen an der Stelle auch den gleichen Respekt und an ihrem Handeln gemessen zu werden und nicht vorverurteilt zu sein, weil einer, oder eine Gruppe von ihnen Verbrechen begingen. Diese Verbrecher gehören, dann aber auch nicht entschuldigt, oder besonders verurteilt, weil sie eben jener Gruppe angehören. Das heißt dann in Anwendung halt Gefängnis, oder für den einzelnen Rausschmiss und Wiedereinreiseverbot. Das hat nichts mit Extremismus, oder Rassismus, oder sonst etwas zu tun, sondern dem einfachen Rechtsgrundsatz, der in unserem Grundgesetz festgehalten ist. Das Zitat schenke ich mir an der Stelle und verweise auf GG Art. 3
Es ist nicht Sinn und Zweck unserer Gesellschaft und unseres Rechtssystems, dass man Gesetze macht und sie auslegt, wie grade der Hahn im Wind steht, das sollte nicht nur für Bürger, Bürger in Uniform, sondern auch für Abgeordnete und Minister gelten!

Verzweiflung im Umgang
Dies ist weniger These, mehr traurige Beobachtung. Ich fand es treffend, wie authentisch das Seelenleben Plums dargestellt wurde. Der Mangel an positiver Aufmerksamkeit lies Vieles schlicht und einfach verkümmern und machte sie nicht nur angreifbar, sondern als Opfer ideal für jegliche Form der Manipulation.
[S P O I L E R A L E R T ! ! ! ] Dass sie auf den Fatlover/Feeder letztlich doch reinfiel, war quasi unausweichlich und als einsamer Mensch kann ich die Gefühle und Hoffnungen verstehen, die dahinter stehen und kaputt gemacht wurden. [/S P O I L E R A L E R T ! ! ! ]

Fazit
Mit großer Vorfreude warte ich auf die letzten beiden Folgen und hoffe für Plum und auch für mich, die mit ihr fiebert, auf ein Happy End, das es im Leben einfach nicht gibt.
Trotz der aufkeimenden Euphorie sehe ich in dieser Serie wieder das perfekte Futter für Gruppen und Einzelpersonen, die alles für sich und ihr persönliches Interesse vereinnahmen. Vielleicht gehöre ja auch ich dazu und bin lang nicht so objektiv, wie meine zu sein. Kein Mensch ist vollkommen frei von Vorurteilen, mit Ausnahme eines Säuglings vielleicht, da unsere Vorurteile nun mal Produkt dessen sind, was wir erlebt haben, aber darum soll es nicht gehen!
Ich sehe mehr das Problem, dass nun wieder die, die ein Extrem darstellen, sagen. „Was solls! Das Fernsehen sagt, ich soll sein, wie ich bin, also bin ichs!“
Ich bin ganz ehrlich: fette Menschen, die sich schlecht kleiden und Kette rauchen, saufen und sonst was tun, sollen machen was sie wollen. Sie schaden in der Regel nur sich selbst und fallen sie tot um, mag das ein Verlust für irgendwen, vielleicht McDonalds am Ende sein, aber nicht für mich. Leute die andere hingegen mit ihrem Verhalten kaputt machen, entschuldigt nichts und die können gern so bleiben wie sie sind und bleiben so allein und heulen gefälligst nicht herum, oder ändern was – sich selbst!
Weiterhin sehe ich, habe es auch schon gelesen, dass es wieder Birnen geben wird, die diese Serie exemplarisch als Beispiel jeglichen Feminismus‘ sehen. Mich mit solchen Leuten jedoch zu streiten oder anderweitig einzulassen, ist fruchtlos und somit lasse ich es. Ebenfalls aus meiner Zeit als Extremistin habe ich gelernt: diskutiere nie mit einem Extremisten. Eher findest du ein Mittel gegen Krebs in deinem Bauchnabel, als dass das zu einem Ergebnis fern der Frustration führen würde!

Ich könnte noch stunden darüber reden, dass es für so gut wie nichts eine Entschuldigung gibt, aber ich denke mein Standpunkt ist so klar, wie Milchglas nur sein kann!
Ich freue mich jedenfalls und kann die Serie nur empfehlen.
Link zu Amazon – Dietland Stream

Das Buch, welches aus Vorlage diente, werde ich mir jedenfalls auch mal geben, wenn ich die Zeit dazu finde!

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