Langsam wird’s zu viel

Nachdem Samstag das absolute Überereignis war, das man von einem Konzert wie diesem im Leipzig erwartet, war der Sonntag recht ruhig.
Es galt mich zu schonen. Den Nacken wieder ein wenig Ruhe gönnen, die Stimme mit Bonbons salben, den katastrophalen Wasserhaushalt wieder ausgleichen und das eine oder andere Bier zu viel, welches nicht ausgetanzt und geschwitzt wurde, abzubauen und auszuscheiden. Da ich noch hier sitze, zu keinen Drogen greifen musste und auch schon Mittag wieder so weit fit war, denke ich, ich war erfolgreich und habe mich selbst recht gut im Griff, was die Angst betrifft.

Montag war dann nun wieder der erste Schritt in den Arbeitsalltag zurück geplant. Ich sollte mich, im Vorfeld meiner Anstellung bei der Zeitarbeitsfirma, bei einer Produktionsfirma hier in Dresden vorstellen. Da ich ja willig zur Arbeit war und auch bin, habe ich mich also neutral gekleidet, bin auf die Bank gesaust, Geld holen, um die Fahrkarte zu lösen, um anschließend durch die ganze Stadt zu fahren. Immer die Zeit im Nacken und die Hoffnung, dass die Bahn nicht wieder im Stau wegen einem Popel in der Spur zum Liegen kommt.
Ich kam nicht nur pünktlich, sondern viel zu früh an, wie man mir freundlich, aber bestimmt am Tresen mitteilte. Mein Kontakt sei noch zu Tisch und ich wurde gebeten zu warten. Kein Problem – war es doch immerhin Mittagszeit, wenn auch schon ein wenig später. Irgendwann schwebte dann besagter Kontakt ein, schüttelte mir die Hand und lies mich sitzen, damit ich auf einen weiteren Mitarbeiter warten konnte. Dieser tauchte auf, stellte sich mir kurz vor und zog mir mit, ohne den Kontakt der mit als Entscheidungsträger genannt wurde, los. Eigentlich schon vor Betreten der Produktionsstätte war klar, dass sowohl der Herr in Arbeitskleidung, wie auch ich unsere Zeit verwenden. Wir sind dennoch kurz in die Halle gegangen, ich habe mich umgesehen und ganz klar gesagt, dass ich diese Arbeit weder machen kann, noch will. Die Firma bot mir nicht nur, nur eine Beschäftigung über die Zeitarbeitsfirma, sie bot mir auch noch den Schaltschrankbau als Beschäftigung, gegen die ich mich wieder und wieder und wieder, unter Verweis auf meinen großen Bandscheibenvorfall 2016, verwehre.
Kein guter Start, dachte ich bei mir und immer mehr Wut kochte in mir wegen dieses Umstands hoch. Ich hatte bei der Unterzeichnung meines Arbeitsvertrags und auch im Vorfeld mehrfach und ausdrücklich auf den Umstand hingewiesen, dass Schaltschrankbau nicht möglich ist, weswegen ich mich ja auf eine Stelle beworben habe, in der ein ganz andere Betätigungsfeld geboten wurde.

Sei’s drum! Ich habe am Wochenende das erste Mal das ausgesprochen, was ich bei mir schon seit geraumer Zeit dachte und von dem ich meinte, es würde nun Zeit, um mich selbst endlich zu erlösen: ich ziehe die Bewerbung beim Bund aufs Studium zurück, weil mir das mit der Wartezeit einfach zu sehr auf Gesundheit und vor Allem auf meinen Schlaf schlägt.
Als ich also Montag von dieser enttäuschenden Verschwendung von Zeit, Geld und Nerven daheim ankam und meinte, ich sollte wenigstens noch meiner Pflicht nachkommen, meinem Vermittler bei der Zeitarbeit mitzuteilen, dass ich von der Stelle nicht nur enttäuscht war, sondern dort auch nicht arbeiten kann, bekam ich plötzlich eine Mail vom Bund. Ich habe eine positive Einschätzung nach der ärztlichen Untersuchung erhalten und damit quasi den letzten Trümmer aus dem Weg geräumt, an dem ich noch straucheln und stürzen konnte.
Was soll ich sagen?! Ich will nicht lügen! Mir war schlecht! Mir war und ist es immer noch irgendwie, speiübel. Klar, ich habe mich gefreut, dass ich’s geschafft habe, aber das nimmt mir meine Angst nicht und mildert sie auch in keiner Form ab. Diese Bescheinigung heißt ja nicht, dass ich das Studium schaffe, sondern ’nur‘ dass ich potentiell die Möglichkeit bekomme, bei genug Durchhalten als Beamtin auch übernommen zu werden und so eventuell ausgesorgt zu haben. Beruflich zumindest. Ich habe Zweifel ,es stofflich zu schaffen, habe Sorge es organisatorisch zu stemmen. Bin mir selbst als meine schlimmste und böseste Kritikerin fast schon in der Erwartung sicher, an meiner Ausdauer zu scheitern. Auch auf die Gefahr mich zu wiederholen: ich habe Schiss!

Nach einer Nacht, endlosen Gedanken und dem Durchsetzen meines trotzigen Dickkopfs, habe ich heute für mich beschlossen, ich ziehe durch, kündige den Arbeitsvertrag gleich wieder und nutze die letzten „freien“ Tage zum Lernen als Vorbereitung aufs Studium. Vielleicht kann mir dies ein wenig die Angst vor dem Studium und dessen Inhalt nehmen. Sicher wir es mir aber nicht die Angst vor der Situation nehmen.
Immer wieder frage ich mich: „Was wird eigentlich anders?“, „Was verlierst du?“, wenn ich dann nicht nur meine Comfortzone verlasse, sondern auch wegziehe. Die Antwort ist einfach: NICHTS! Aber das wenige, bis hin zum Nichts, was ich hier habe, kenne ich aber. Dort kenne ich nichts und weiß auch nicht was mich erwartet. Vielleicht Freunde, vielleicht wieder auch nur Enttäuschungen und Gruppen von Menschen zu denen ich nicht gehören kann und auch nicht will.

Ich stehe mit selbst wieder am meisten im Wege und bin meiner Angst das beste Futter.

Wirklich besorgniserregend ist, und das kann ich nicht von der Hand weisen, wie es nun in Sachen OP weiter geht. Das ist ein Konflikt in der ganzen Planung der mir nicht nur Bauchweh bereitet, sondern mich mit Krämpfen und Schweißausbrüchen regelrecht an die Toilette fesselt.

Vor mir liegt noch viel Arbeit und ich will sehen, ob ich sie erledigt bekomme..!

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