Tote haben keine Rechte!

Ich weiß, ich sollte mich wohl erst einmal beruhigen, sollte ein paar Schritte gehen, aber sicher nicht ein Bier trinken und noch viel sicherer sollte ich jetzt nicht schreiben, doch muss man auch einmal unvernünftig sein und noch viel mehr, muss ich der Wut einmal freien Lauf lassen.

Es ist noch nicht all zu lang her, da lies man das neue Datenschutz-Gesetz auf die Menschen los und seit dem ist es in aller Munde. Kaum einer weiß was noch geht, Abmahnkanzleien freuen sich einen Keks und am Ende sind sie alle sicher: geholfen ist damit niemanden, vor allem nicht dem kleinen Mann (und auch der kleinen Frau) in diesem Lande. Die Behörden und Institute die mit unseren Daten schon immer taten was sie wollte und dabei in Allem außer in unserem Interesse handelten haben, auch weiterhin freie Hand beim Schlampen und Verschlampen unserer Datensätze. Institutionelle Medien können weiter verleumden wen sie wollen, die GEZ bekommt Daten frei Haus und auch der Geheimdienst, nicht unsere eigenen, dürfen frischfröhlich Infos fischen.
Der Kegelverein Kneckebrösel 69 e.V. muss aber bei jedem Mitglied die ausdrückliche Genehmigung einholen, um auch weiterhin das Vereinsbild auf der Seite zu haben und natürlich auch für jeden Bild, welches haarsträubende Matches gegen S.C.Schalbier’89 dokumentierte, wird die Erlaubnis erforderlich. Mittelständische Firmen und Betriebe dürfen sich nun von jedem Kunden und Geschäftspartner ebenfalls die Erlaubnis einholen. Ich bin gespannt, wann mein Vermieter mich mal fragt, wie ich mit einen Daten umgegangen wissen möchte.
Aber es gibt nun mal auch schwarze Schafe, die der Datenschutz noch nie scherte und auch nie scheren wird. Linksextreme Terroristen zum Beispiel, die ohne Rücksicht auf Verluste und Schäden Polizisten als Privatpersonen attackieren, oder zum Abschuss freigeben. Das ist aber ein anderes Blatt, zu dem ich keine weiteren Zeichen verschwenden mag.

Der eigentlich Grund warum ich schreibe: immer wieder muss ich feststellen, dass man mit den Daten einer Privatperson in diesem Land sehr unterschiedlich umgeht.
Während verurteile Sexualstraftäter und Mörder auch noch nach der Verurteilung damit rechnen dürfen, dass man sie, zumindest zu Lebzeiten, nie wieder beim vollen Namen nennt, sieht es bei dem Schutz der persönlichen Daten der Opfer ganz anders aus.
Da taucht schon einmal das Bild des Opfers auf der Titelseite des reißerischen Schmierblatts aus dem Hause Springer auf. Da wird auch gern mal der volle Name des Opfers genannt und auch das Wohnhaus lichtet man bereitwillig ab. Wenn das alles die Blutgier dieser Geier in Menschenhaut noch nicht befriedigt, dann erfindet man einfach Dinge, bezahlt Nachbarn für Gerüchte oder spricht mit dem grünen Euroschein wedelnd, Leute auf der Straße an und fragt sie, ob sie nicht etwas wissen. Schnell sind Klatsch und Tratsch als Fakten abgedruckt und auch auf Kritik und die Forderung nach einer Richtigstellung, reagiert man nicht, oder mit einer Arroganz, dass man der Person jeden einzelnen Zahn ausschlagen möchte. Mit einem Uhrmacherhammer!
Ich nehme mir an der Stelle die Freiheit einen Redakteur das Sächsichen Zeitung, auf die Frage nach Quellen, Motivation und Richtigstellung, sinngemäß wiederzugeben:

Wir können behaupten was wir wollen! Sie müssen uns erst einmal das Gegenteil beweisen, und dann ist es längst zu spät!

Man ist sich also der Wirkung bewusst und nimmt billigend in Kauf, dass man nicht nur am Ruf einer verletzten oder toten Person einen erheblichen Schaden zufügt, sondern auch, dass man eiskalt die Hinterbliebenen beleidigt, verhöhnt, verleumdet und vieles mehr, außer ihnen nützlich zur Seite zu stehen.

Nun meint man als Angehörige, als Hinterbliebene, dass das alles nach dem Abschluss des Falls schon am nächsten Tag vergessen sei, dass man Ruhe haben würde und dass alles im Vergessen und der Flut neuer Horrormeldungen untergehen würde.
Für die meisten Fälle mag das sicher auch zutreffen, zumindest für die erste Zeit. Wenn ein Fall aber zum Einen spektakulär war und zum Anderen noch in einem sonst eher friedlichem Gebiet mit 08/15- Delikten, läuft die ganze Sache Gefahr, dass man, also die Medien und ein paare geldgeile Idioten die neben dem Gehalt gern noch mehr scheffeln wollen, sie ausgraben und wieder und wieder durchkauen.
Ich kann euch sagen, sehr angenehm, wenn die Wunde nie wirklich verheilt, weil ständig ein Arschgesicht es zum eigenen Profit verarbeitet und sie aufreißt. Man muss es ja noch nicht einmal selbst gesehen oder gelesen haben, da oft Leute ankommen und fragen: „Hast du eigentlich schon gesehen?“ / „Hast du schon gehört?“ und ähnliche Dinge. Ich unterstelle keinen dieser Menschen etwas Böses. Eigentlich bin ich in der Regel sogar sehr dankbar, wenn man mir als medialen Einsiedlerkrebs solche Hinweise gibt. Richtig scheiß-sauer bin ich jedoch auf die Menschen, die diese Inhalte produzieren und dabei rücksichtslos und vor allem ohne Nachfrage bei der Familie, einfach keinen Grind auf der Wunde erwachsen lassen.
Ich bin ehrlich: bevor ich selbst in diese Situation kam, war ich auch der naiven Überzeugung anhängig, dass Familie und Hinterbliebene zu Reportagen und Dokus ihr Einverständnis geben müssen. Dem ist nicht so! In unserem Fall reichte es in der Vergangenheit beim, damals zuständen, Staatsanwalt anzufragen und schon konnte man ausschlachten, was auszuschlachten war. Gern wiederholte man wie im dogmatischen Gebet eines Mönches jede fälschliche Behauptung und Mutmaßung. Wieder und wieder blendete man Bilder ein, die die, die einen geliebten Menschen verloren, in den Wahn treiben, oder doch zumindest die nächsten Nächte gehörig versauen.

Mein Verlust jährt sich 2018 zum 9. Mal und in dieser Zeit ist keine Wunde geheilt, kein Gras über die Sache gewachsen und noch immer bin ich endlos wütend, wenn ich an den Täter denke. Während die ersten Jahre noch von stumpfsinnigen Rachewünschen durchsetzt und überwuchert wurden, ist nach einiger Zeit die Erkenntnis eingekehrt, dass mir der Tod des Täters meine Liebe auch nicht zurück bringt. Ich habe versucht in meinen Büchern meinen Verlust zu verarbeiten, ihr ein anonymes Denkmal zu setzen und, das gebe ich offen zu, Sie für ein paar Minuten in den ich schrieb, zum Leben zu erwecken, um Sie wenigstens kurz bei mir zu wissen.
Ebenfalls in der Zeit erschienen: 2 sogenannte Dokumentationen und wie ich seit ein paar Stunden durch eine sehr liebe Freundin weiß, ein Buch.

Ich kann es nicht beschreiben, wie es mir damit geht. Ich bin wütend, könnte um mich und vor allem in die Gesichter der Autoren schlagen. Ich weine, es schüttelt mich und ich bin enttäuscht und traurig. Hätte ich die Macht, ich wäre in dieser Nacht die Verschlingerin von Welten.
Wer mich besser kennt, der weiß, dass ich seit vielen Jahren ein sehr freundschaftliches Verhältnis zur Polizei pflege und immer um ein gutes Bild, oder doch zumindest eine neutrale Sicht bemüht bin, wenn in Diskussionen um die Beamten und Beamtinnen geht. Vielleicht liegt es daran, dass ich nach der Schule selbst gern zum BGS wollte, es mir verbaut habe und danach hoffte, ich würde mit dem späteren Abitur Kriminalbeamte werden können. Dem war nicht so. Um so enttäuschter bin ich nun, dass sich auch ein Kriminalbeamter an der Ausschlachtung des Mordfalls beteiligt hat, da von ihm die Bearbeitung des Fall in besagtem Buch stammt.
Ich verstehe einfach nicht, wie man als Kriminalist und auch als Mensch so rücksichtslos sein kann. Im Artikel selbst irgendwas davon schreiben, wie schwer es doch für den Beamten war die Todesnachricht zu überbringen, dann aber die ganze Geschichte mit Namen und allerhand Daten veröffentlichen.
Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie mir der Kriminalbeamte die Nachricht auf dem Revier mitteilte. Er war ruhig, war selbst bewegt und war über alle Maße respektvoll. Dieser Beamte war im gesamten Verlauf der Ermittlung auch nicht anders und auch wenn er sich in einer der Dokumentationen zu dem Fall äußerte, so behielt er seine eigene, ehrlich Betroffenheit bei und man sah ihm an, dass es ihm Leid tat. Aus seinem Umfeld wurden wir in der Vergangenheit auch gewarnt, wenn sich der TV-Sender mit seinem Machwerk der Öffentlichkeit präsentierte. Man bekundete Bedauern – ehrliches Bedauern. Diesem Menschen wäre ich gern unter angenehmeren Umständen begegnet.

Wem ich jedoch lieber nie begegnen möchte, das sind die, die sich am Leid der anderen bereichern. Ich würde wohl meine gute Kinderstube vergessen und selbst Leidbringerin werden..!

Es ist wirklich eine Schande und ein Armutszeugnis, welches sich dieser Staat, dieses Rechtssystem und auch unsere Gesellschaft ausstellt, wenn mit dem Gesicht und den Daten einer/eines Toten gemacht werden kann, was man will.

Ich fordere das Recht am eigenen Bild und an den eigenen Daten, auch für Tote und Opfer von Straftaten!!!

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