Sind wir wirklich alle so fame und special?

Facebook, YouTube, Tumblr, Instgram, WordPress, Twitch… habe ich etwas vergessen? Sicher mindestens ein Dutzend toller Plattformen die junge Menschen heute nutzen, versiert bedienen und nicht begreifen, dass sie sich nicht nur für ihre vermeintlichen Freude zum Obst machen.
Sind wir aber alle wirklich so besonders toll, helle und wichtig, dass wir unser Leben mit allen teilen müssen und wenn ja, wozu brauchen wir dann noch Menschen, wenn wir doch Clicks haben?!
Muskil.ly, fällt mir spontan noch als eine App ein, die mich fühlen lässt, als hätte ich in meiner finstersten Stunde dem ollen Adolf noch selbst zugewunken. Nicht etwa weil ich ein überzeugter Nazi war oder bin, sondern weil ich mich fühle, als sei ich mindestens 100 Jahre alt. Ich möchte nicht auf Inhalt und Funktion der App eingehen, da sich meine Infos diesbezüglich auch nur auf das Wissen Dritter stützt und mir meine Zeit zu schade ist, sie damit zu verschwenden, mich in ein solches Programm zu lesen. Fakt ist, ich weiß in groben Zügen um was es geht und es ist lächerlich. Ich dachte, als ich das erste Mal davon in einer Schimpftirade von Alexander Prinz gehört habe, es sei alles nur halb so schlimm und mehr ein Phänomen verwöhnter Großstadtplagen. Leider habe ich dabei vergessen, dass Dresden zwar in einigen Dingen ein wenig langsamer ist, in Anderen resistent, aber doch eine Großstadt sein will. So sah ich heute, als ich von einer unfreiwilligen Spende (Urkundenbeglaubigung) an das Ortsamt kam, wie 2 Jungs, vermutlich irgendwo zwischen 10 und 12 Jahren alt, sich an der Straße, wohlgemerkt auf der sich der Verkehr brutal staute, sie also genug Publikum hatten, gegenseitig etwas vorhampelten. Aus einiger Entfernung, dachte ich noch, die kleinen Spinner hatten einen Kung-Fu Film gesehen und stellten nun etwas nach, als ich dann aber näher kam, sah ich, dass sie sich abwechselnd mit einem Handy filmten und dabei auch noch die Lippen bewegten, als ’sangen‘ sie Playback. Die verhinderte Kampfkunst entpuppte sich also ein Dreh, vermutlich mit dieser unsäglichen Verblödung aus dem Appstore, oder einem Äquivalent. Ich konnte mir einen kurzen Lacher und ein Kopfschütteln nicht verkneifen, tat es dabei einigen der Volljährigen in den wartenden Autos gleich und ging, ohne die beiden Bieber weiter zu behelligen.

„Du bist einfach zu alt, um das zu verstehen!“, werden sicher die Einen oder Anderen sagen, und es stimmt. Ich könnte zwar auch argumentieren, dass ich es vielleicht nicht nachvollziehen kann, weil ich einen IQ nicht nur 2 Punkte über Beginn des dreistelligen Bereichs habe, aber das wäre vermessen!
Ich habe, meines Intellekts, den ich, wie es mir scheint, auch erst nach meiner Pubertät gefunden habe, zum Trotz, genug Scheiße gebaut. Teils um mich wichtig zu machen, teils um mich zu beweisen, also auch um mich wichtig zu machen. Eigentlich immer um mich irgendwie wichtig zu machen.
Ich hatte bei meiner Blödheit aber noch echt Glück: das Internet war eine große Unbekannte, die von uns nur wenige im Haushalt hatten und selbst bei denen, bei denen es anlag, wachten die Eltern, in der Regel strenge Väter, über dieses Medium. Und selbst dort, wo es sich uns ungeschützt (also ungeschützt für beide Parteien) anbot, es verlockte, war es der pure Hass, wenn man versuchte ein Bild aus dem Netz zu laden. Für einen 20 Sekunden Clip in 120p konnte schon mal so ein Abend am piepsenden Modem drauf gehen. Bedenkt man also das Verhältnis Downloadgeschwindigkeit zu Upload, kann man sich vorstellen, wie lang es dauerte, bis man ein noch so lausiges Bild im Netz oben hatte, noch dazu waren die Bilder in der Regel analog, oder im besten Fall auf einem pixeligen alten Handy, das war dann aber echt total der uber-Luxus. Das war für mich und viele meiner faulen Kumpels eine natürliche Barriere uns bis auf die Knochen zu blamieren.
Nein, wir machten uns, ich machte mich, im Dorf und im Umland zu einem gefürchteten Vollidioten bei dem alles möglich war. Von der wüsten Kneipenschlägerei, bis hin zum Tanz nackt ums Feuer, um eine Falsche Schnaps zu bekommen, weil das eigene Bier wieder leer gesoffen war. Eigentlich ging es fast immer um Alkohol. Wirklich ein Mädel konnte man jedenfalls nicht beeindrucken, wenn man sich den nackten Arsch am Schwedenfeuer wärmte. Die Ehre fühlte sich im Suff auch gleich 10 Mal eher verletzt, so dass man die Fäuste fliegen lies. Im Grunde, kann man wirklich alles auf den Suff zurück führen. Nüchtern war ich jedenfalls zum Glück nie so bescheuert, mit einem Schwer auf dem Rücken, oder mit meinem Luftgewehr durch die Gegen zu laufen, auch wenn das alle dachten und sogar erwarteten.

Was war ich ein Rindvieh! Dazu stehe ich, bin nicht stolz drauf, aber habe über mich zu lachen gelernt.

Aber ich habe Eines den Kindern von heute weit voraus und dafür bin ich meinen Eltern auch echt sehr dankbar:

Ich hatte die Gelegenheit mich selbst zu blamieren! Ich nutzte sie, wie eben beschrieben, ausgiebig!

Viele dieser kleinen Starspackos, very special Flowers, Justins und Prinzessinnen, können scheinbar gar nichts mehr für ihre Blödheit, da sie von einer Generation von Vollidioten aufgezogen werden – meiner Generation! Generation Y! Why = Warum?! Genau das frage ich mich Tag ein Tag aus und werde nie eine Antwort erhalten.

Computerspiele beeinflussen die Kinder nicht; ich meine, wenn Pac-Man uns als Kinder beeinflusst hätte, dann würden wir jetzt alle in abgedunkelten Räumen herumrennen, magische Pillen einwerfen und monotone elektronische Musik hören. – unbekannt

Ist da doch etwa etwas dran? (Vorsicht rein rhetorisch die Frage!)

Ich denke bei unseren Jahrgängen ging die Scheiße einfach los. Immer mehr Shows in der Glotze mit Kindern als Teilnehmer, stolzen Eltern als Initiatoren und dabei immer weniger Bildungsgehalt.
Mit der Miniplaybackshow bekamen einige Wenige die Chance, sich vor einem Publikum zum Affen zu machen, das ein durchschnittlich beliebter YouTuber*in heut mit einem Video erreicht. Nur hatten sie den Vorteil, dass unser Downloadhelper damals Videorekorder hieß, VHS- Kassetten nicht selten überspielt wurden, und man so schnell wieder aus dem kollektiven Gedächtnis verschwand. Ich kann mich noch erinnern, wie ein paar Jungs als KISS auftraten und ein Junge als Alice Cooper. Wie die Jungs hießen? Keine Ahnung! Ich weiß nur noch, ich war auf die Kostüme neidisch und meine Mutter meinte, dass der Alice Cooper in XS zu propper im Gesicht war, um nicht zu sagen, eine Pummelfee war.
Dazu kam, dass ich den Eindruck habe, dass es für uns so einfach wie nie war, an Alkohol zu kommen (z.B. ich habe mit 13 im örtlichen Supermarkt, mit meinem 15 Jahre alten Kumpel, eine Palette Büchsenbier und 2 Flaschen Korn gekauft) und wir hatten mit ganz neuen Drogen zu tun. Dazu war alles recht günstig. Wenn ich bedenke, dass ich von meinem wenigen Taschengeld rauchen und trinken konnte – eine Leistung. Ich habe, bis auf ein einziges Mal als eine Mutprobe, nie etwas geklaut und das was ich klaute, war mehr eine Strafe, als ein Vorteil: Westpoint Zigarillos. Uns war es egal, Hauptsache es qualmte und stank und beides tat es ausgezeichnet. Zugegeben, ich hatte viele ältere Kumpels, die Geld hatten, weil sie schon in der Lehre waren, oder die Eltern es ihnen zu allen Seiten rein steckten, die hielten mich nicht selten aus, weil ich betrunken einfach immer so witzig war. Outch!

Was danach aber alles noch schief gegangen ist, dass so viele Vollidioten es vorziehen, ihre Art zu vermehren, kann ich nicht sagen. Vielleicht ist es Instinkt, vielleicht ist es einfach so, wie es bei Idiocracy hergeleitet wird. Intelligenz, setzt sich evolutionär nicht durch. Ein paar meiner wirklich schlimmsten Kumpels sind mittlerweile Väter und sie machen ihren Job großartig, und das meine ich nicht irgendwie zynisch, weil ich ja Kinder irgendwie nervig und voll doof finde. Nein, ich meine es ernst. Wenn man zu saufen aufhört, bekommt man mehr auf die Reihe, als man denkt. Zumindest die Meisten.

Wenn ich mich heute so umsehe, denke ich, bei einigen wäre der Suff ein probates Mittel als Sterbehilfe, einfach aus der Hoffnung heraus, dass sie tot umfallen, wenn die einzige Hirnzelle abstirbt. Hatte gestern in der Dönerbude so ein Erlebnis:
2 Jungs, weiter weg vom Mannsein, als ich davon als ein Planet anerkannt zu werden. Der Eine dürr, blass, blond mit dem Gesichtsausdruck eines komatösen Schafes, welches vom Wolf gefressen wird. Der Andere … naja … sagen wir es mal so: sah aus, als hätte er seinem Begleiter nicht nur alles weggefressen, sondern auch die Sonne geklaut. Dazu war er haarig wie ein Bär (sorry Bär!) und hatte einen spaßigen kleinen Oberlippenflaum. Beide ‚unterhielten‘ sich, naja, eigentlich war es mehr dümmliches Gegrunze, Gegacker und weibisches Gekicher, als eine Unterhaltung, über Freibad und Mädchen. Beiden hauten sich die Tasche voll, dass ich mehr als ein Mal nicht nur schmunzelte, sondern zu feixen begann. Natürlich bemerkten Dick und Doof nicht, dass ich über sie lachte. Während mein Dürüm zubereitet wurde, war ich quälende Minuten zum Zuhören verdammt und langsam wurde aus meiner Belustigung, der Wunsch, dem Dicken eine Fresse zu hauen, weil der ein Frauenbild vertrat und verbreitete, dass meine feministischen Pferdchen los- und durchgehen wollten. Ich war mir sicher, die beiden waren mindestens schon 5 Minuten in der Sonne gewesen und ihre kleinen Hirne haben das nicht vertragen. Nur hirntote Pubertäre können so viel Scheiße von sich geben, und auch wenn ich die Messlatte als jugendlicher Vollversager damals echt hoch gesetzt habe, der Dicke konnte seine haare Wampe sicher locker drüber hängen. Es wird schlimmer – in jedem Fall. Klar, Generationenkonflikt, aber damit kann man nicht alles erklären.

Zurück zum Thema! Ja, ich habe mir ein Thema zurecht gelegt, es nur irgendwie wieder bei meinem Gemoser und Gemecker verlegt und grade wieder gefunden!
Wenn man von Familienfeiern und den ersten Freundinnen daheim absieht, haben es meine Eltern auch tunlichst vermieden mich zu blamieren. Gut meine Mutter war darin sehr talentiert, als sie mich in meiner Arschlochsuperrebellenphase im Dorf suchte und alle möglichen Treffs abklapperte und dort hysterisch Alles und Jeden ausfragte und vermeintlich schlechtem Umgang mit der Polizei drohte, wenn diese keinen Abstand zu mir hielten, aber an sich, bin ich ja selbst dran Schuld, so wie ich mich verhalten habe. Letztlich waren meine Eltern immer so bemüht meine Geheimnisse zu wahren, dass ich selbst das ‚Vergnügen‘ hatte, mich mit meinem Bettnässen zu outen und ich tat dies nur, weil ich nicht bei einem mir bekannten Pärchen pennen wollte, die mehr als nur einen sozial fragwürdigen Ruf hatten und drauf bestanden, mir total besoffen (also die, nicht ich) ein Nachtlager anzudrehen, obwohl ich nur einen Block weiter wohnte. Dass ich zum Beispiel als Kind starkes Asthma hatte (lustigerweise bis ich zu Rauchen begann), weiß bis heute so gut wie niemand. An der Stelle, noch einmal Danke in die Richtung einer Erzeugereinheiten.

Aber warum erzähle ich das alles wieder so offen und brutal ehrlich? Als Einleitung! Ganz klar! Keine Angst, das geht jetzt ganz schnell!

Mir fällt es immer wieder auf und ich kann es nicht begreifen, wie sich Eltern so verhalten können: Was früher Meiser, Kiesbauer, Türck und Schäfer waren, ist heute Facebook!
Keine Krankheit ist schlimm genug, kein Leiden zu groß, als dass man nicht als ‚Eltern‘ irgendwie einen Mindestprofit an Aufmerksamkeit daraus schlagen könnte. Teilweise sind die Schicksal wirklich hart, teilweise denkt man sich, dass die Krankheit so besonders wie ein Schnupfen ist. Egal, das Leben des Kindes wird ausgeschlachtet und ohne, dass sich dieses wehren könnte, einer Masse Fremder in zarten Häppchen serviert.
Wieder im Krankenhaus gewesen. Was bringt der Weihnachtsmann? Der erste Urlaub.
Sicher alles Ereignisse, die man gern teilt, an die man sich vielleicht sogar gern erinnert, bei denen man gern Unterstützung hat und hier und da einen Rat braucht, aber dafür gibt es, auch auf Facebook Gruppen, in denen sich die Eltern austauschen können, ohne dass die Kinder bloßgestellt werden.
Ähnlich behämmert aber fast noch im Schmerz nachvollziehbar, eine Facebookseite für ein Sternenkind, natürlich ebenfalls vollkommen öffentlich. Keine geschlossene Kondolenzgruppe für das Kind, nein, eine offene Seite, zu der man noch eingeladen wird und die im besten Fall zehntausende Follower hat. Das Kind ist seit 2 Jahren weg, obwohl es nie so richtig da war, und noch immer postet man alles Mögliche, auch, oder vor Allem, Dinge von denen weder das tote Kind etwas hat, noch dass es etwas mit ihm zu tun haben.
Versteht mich bitte nicht falsch! Ich finde es gut und richtig, dass es im Internet Orte gibt, an denen man Hilfe und auch Trost sucht und sicher findet, aber sicher nicht auf dem Wege, dass man nicht nur das eigene Leben zu einem Massenevent macht, sondern auch das eines Kindes, dass sich in der Regel nicht wehren kann.
Vielleicht erscheint es herzlos, aber ich habe selbst solche Fälle, von Krankheit bis hin zur Totgeburt erlebt und ich versichere Euch, es ging mir alles andere als am Arsch vorbei. Grade beim Fall der Totgeburt habe ich Rotz und Wasser geheult, weil mir dieser Mensch alles bedeutet hat und ich ihr nicht helfen konnte, es nicht ungeschehen machen konnte.
Vielleicht ist es ein Ding der Generation, vielleicht eine Frage des Intellekts, vielleicht auch einfach der Umgang und der Anstand den man mit auf den Weg bekommen hat, aber mir, ihr, uns wäre im Traum nicht eingefallen, es im Netz breitzutreten und um Aufmerksamkeit zu betteln!
Aber weg von den armen Sternenkindern und ihren verzweifelten Eltern, für die ich doch wirklich den Hauch von Verständnis habe, zurück zu den Kindern, deren Leben zur Lebzeit als Daily Soap im Netz landet. Raffen diese Eltern nicht, dass sie ihren Kindern eine Existenz wie einem Tier im Zoo bescheren?! Klar, es tun immer hunderte Menschen im Netz, als seien sie betroffen, aber nur, weil es einfach ist einen beschissenen Button zu klicken! Im Grund sind sie sensationsgeil, wollen ihre Droge konsumieren und kurz ihr eigenes erbärmliches Leben vergessen!
In die Richtung dieser Eltern eine Frage: wie geht es euch bei dem Gedanken, wenn euch eure Kinder, oder auch Eltern nach einem Schlaganfall, oder Ähnlichem, wie eine Attraktion im Zirkus zur Schau stellen?! Ihr liegt im dümmsten Fall hilflos da, sabbert nur noch vor euch hin, brabbelt unverständliches Zeug und scheißt euch ein und immer wieder wird ein Foto, oder gar ein Video gemacht und ins Netz geladen, dass euch bei einem neuen „Fortschritt“ in dieser hilflosen Lage zeigt. Der Gedanke ist zum Kotzen, oder?

Ich kann euch schwören, wenn ich im nächsten Leben in einer solche Familie lande, hoffe ich, dass es schnell vorbei ist, damit ich danach als Vogel wieder kommen und jedem aus der Sippe, jeden Tag die Karre und die Wäsche auf er Leine vollscheißen kann!

Als Aufmunterung nach den harten Worten, als Muntermacher nach der Traurigkeit, ein Bezug auf den Pac-Man Quote:

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