Sonn(en)tag

Warum sollte ich perfekt sein wollen, wenn ich doch ich, und damit interessant sein kann?!

nicht perfekt

Hin und wieder ist es von Vorteil, wenn man die vorgegebene Richtung verlässt, wenn man eingelaufene Pfade hinter sich lässt und den eigenen Weg sucht, auch wenn dieser irgendwo anders lang verläuft.

Nach einem reichlich zweistündigen Spaziergang in den Hügeln um Dresdens Norden, habe ich wieder ein wenig Energie tanken können und bin nun wieder ein wenig eher bereit, an mir und meinem wackeligen Selbstvertrauen zu arbeiten.

Ursprünglich war heut‘ wieder einer dieser Tage, die schon kurz nach dem Aufstehen durch ein schlichtes Gedankenfragment an den Rand des Unbrauchbaren gedrängt wurden. Ein Gedanke, der einem gesunden Geist wohl nicht einmal aufgefallen wäre, der in meinem Kopf aber einen Prozess in Gang gesetzt hat, der wieder in einer Spirale des Zweifels dem Moloch der Angst und des Selbsthasses Nahrung bot.
Ich hätte gern geholfen, konnte es aber nicht, wegen einer kleinen Formalität für die ich nicht einmal etwas konnte und fühlte mich so gleich wieder gescheitert und nicht nur das, ich fühlte mich wertlos. Rasend gipfelten die Gedanken darin, wie man mich wohl in Erinnerung behalten würde, wenn ich nicht mehr sein würde. „Sie war stets bemüht!“ – lautete mein eigenes vernichtendes Urteil und die Entspannung und Gemütlichkeit die der Tag versprach, war dahin. Ich hatte wieder einen Grund mich in Selbstmitleid und Hass zu suhlen.

Da ich es mir aber, vor allem bei solchem guten Wetter wie dem heute zur Gewohnheit gemacht habe und ein Gewohnheitstier bin, habe ich dann doch vor dem Mittag meine sieben Sachen gepackt und mich auf den Weg gemacht, eine kleine Runde zu drehen. Aus der kleinen Runde wurden zwei Stunden, in denen ich gegen die eigene Angst vor dem Unbekannten angelaufen bin, mich nach kurzer Rast verlaufen habe und wieder umgedreht bin, um meinen Weg zu finden. Viel Strecke habe ich nicht gemacht, mehr war es die Tätigkeit des Laufens an sich, die für mich wichtig war. Wieder habe ich eine der feinen Kapillare der Umgebung entdeckt, wieder einen Schleichweg gefunden. Irgendwo auf diesem Weg, habe ich dann auch ein Stück weit die eigene Zufriedenheit wieder gefunden.

Das letzte Gespräch, wenn man diesen hasserfüllten Austausch von Vorwürfen und Anklage so nennen will, mit meiner Ex kam mir wieder in den Kopf. Auf meine mehrfach gestellte Frage, warum sie mit mir zusammen war und was sie überhaupt zum engeren und intensiveren Umgang mit mir bewegte, wo ich doch so ein unausstehlicher Mensch sei, wie sie mir nach der Trennung immer wieder suggerierte, antwortete sie nach Wochen der Bedenkzeit, dass ich doch wenigstens lustig und interessant gewesen sei. Dies zumindest eine kleine Weile, wie es scheint.
Damals machte mich diese Antwort sehr traurig und bestätigte nur das schlechte Bild das ich selbst von mir habe. Irgendwann habe ich es aber akzeptiert und nun, mit einigem Abstand, scheint es, als sei dies doch wirklich mein Potential.
Durch meine trockene, zynische und teils überdrehte Art und Darstellung der Dinge, bringe ich mindestens genau so viele Leute zum Lachen, wie ich sie in Rage versetze. Das kann doch nicht vollkommen Scheiße als Eigenschaft sein!
Ob ich nun interessant bin, darüber kann man sicher streiten. Dass ich anders bin, bleibt jedoch unstrittig und das mag auf so manchen Menschen sehr interessant wirken. In wie weit sich dieses Interesse färbt, zeigt sich mir jedoch leider immer erst kurz bevor es eigentlich schon zu spät ist, nachdem das Kind den Brunnen fiel und vom Schatten in der Tiefe gefressen wurde, der alle die aus dem Brunnen tranken in den Wahn trieb. Bin ich nur ein interessanter Käfer, den man eine Weile unter der Lupe beobachtet, bevor man ihn an einer Stecknadel aufspießt und katalogisiert, oder bin ich so interessant, dass man mich hinter der Anomalie kennenlernen möchte?

Kind – Brunnen – *platsch* – Monster – *omnomnomnom*

Ich denke, ich habe viel zu lang ein perfektes Ideal einer Gesellschaft im Kopf gehabt, das es nun gilt, aus dem eigenen Kopf und der eigenen Idealvorstellung zu bekommen. Ich kann nicht allen helfen, kann nicht für alle da sein die ich mag und sollte mir auch und vor allem kein Bein mehr versuchen auszureißen, um es Leuten Recht zu machen, die sich selbst nur dann melden, wenn sie etwas wollen und auf meine Nachfragen hin nur selten bis nie reagieren und nie verfügbar sind, bis die eigene Hütte brennt, wenn ich die einzige bin, die einen Eimer Wasser hat.
Wenn diese Emanzipation bedeutet, dass man am Ende für die nächste Zeit ohne Freunde und Bekannte da steht, dann ist das so. So besonders neu ist mir dieser Zustand nach Jahren eines (nahezu) Eremitendaseins auch nicht mehr. Das bedeutet für mich nur, dass ich bisher keinen Freund im Leben getroffen habe.

Und letztlich: was habe ich denn davon, wenn man mich beweint, wenn ich tot bin? Nichts! Ich werde weder von Tränen, noch von Freudentänzen auf meinem Grab wieder aufstehen.

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