Gabel! Wie das Ding zum Suppe essen!

Keine Sorge, kein Grund zur Freude, ich hatte nicht etwa heimlich ein mehrminütige Sauerstoffunterversorgung im Hirn, sondern bin einfach nur ein wenig neben der Spur und würde solche Antworten derzeit aus dem Stehgreif geben und wäre von dessen Richtigkeit vollstens überzeugt.

Es ist wieder eine dieser Phasen, in der mir viel durch den Kopf geht und in der mich nicht selten mein Ekel vor mir selbst geißelt, bremst und doch wieder treibt – dies jedoch nicht zur Produktivität, sondern in eine dekadente Lethargie.

Der Reihe nach!

Es gibt viele Geister die mich verfolgen und nicht wirklich einen von diesen rief ich, doch sind keine Ghostbusters in den Gelben Seiten verfügbar, die ich für sinnvoll erachten würde, diese Geister zu fangen und von Exorzismen, halte ich auch nicht so viel, als dass ich mir den Spaß machen wollen würde, in meiner Bude zu putzen, nachdem ich ein wenig kotzend abgehoben wäre. So bleibt mir nur, mich mit mir zu befassen und dabei die Finger über der Bettdecke zu lassen.
Genau da ist das Problem begründet. Also ein Problem! Ich wurde nicht so (v)erzogen, dass der liebe nichtexistente Gott alles sieht und dass mir Haare auf den Händen wachsen, ich blind und verblödet degeneriere, wenn ich mich anfasse. Früher war das quasi ein Sport für mich – zumindest ist das meine heutige, ziemlich angeekelte, Sicht auf mich selbst. Ich war froh, als mir das Androcur (Cyproteronacetat) endlich die Ruhe verschaffte, von der ich nie glaubte sie zu finden. Um so am Boden zerstörter war ich, als ich nach 3 Monaten wieder Lust bekam. Als aus dieser Lust dann irgendwann der Druck, Drang, Zwang wurde, diese tote Qualle da unten, wobei ich Quallen eigentlich echt toll finde, anzufassen, war für mich erst einmal eine Welt zerstört. Eine von Dutzenden – nicht weiter tragisch, wie ich bemerke.
Sicher, es ist natürlich! Sicher, es ist nicht verwerflich und auch an sich nicht eklig, auch wenn da so manche Leute mit imaginären Freunden aus dem Mittelalter eine andere Meinung haben, aber ich finde es dennoch ekelhaft und schändlich. Weniger der Akt an sich, der ist zwar eklig, aber nichts, was man nicht mit ein wenig warmen Wasser und Seife von der Haut bekommt. Schlimm ist für mich die Zeit vor dem Akt, die Phase des Anstauens, der sich endlos wiederholenden Selbstgeißelung, wobei auch körperliche Geißelung nicht ausbleibt. Ich verändere mich zu einem Wesen, welches ich noch nie leiden konnte, nicht einmal in der Zeit, als ich meinte ich könnte mich als Mann ausgeben und es mir selbst so überzeugend eingeredet habe, dass ich alles für eine Wahrnehmung als Mann gab. Damals und heute Phasenweise, war für mich der Trieb und dessen Befriedigung oberste Priorität und alles danach, musste anstehen. War der Verpflichtung Folge geleistet, zog ich mich von Allem und Jedem zurück. Minimalst befriedigt, zutiefst unzufrieden, massiv angeekelt und von Selbsthass wieder und wieder in Depressionen und Lebensüberdruss getrieben. Lediglich die wenigen Frauen, die ich wirklich zu tiefst schätze, sie verehrte, für sie Alles geben wollte und nie konnte – kurz sie liebte, hatten mich recht bald wieder bei sich, doch eine Version von mir, die plötzlich verletzlich war, die traurig schien und die einfach nur kuschelnd schlafen wollte. Schlafen nicht um Kräfte zu sammeln, sondern um nicht denken zu müssen, nicht fühlen zu müssen. Folgte ich meinem Trieb allein, gab es niemand der Trost spendete – ich war allein, blieb allein und wollte viel zu oft auch allein gehen.
An dem beschissenen Gefühl, welches dieser vermeintliche Höhepunkt mit sich brachte, besser dem Wust aus beschissenen Gefühlen mit allerlei brummenden, summenden und schmatzenden Ungeziefer garniert, hat sich auch nach dem Beginn der Hormoneinnahme nichts geändert. Von depressiven Episoden, über Weinkrämpfe bis hin zur Todessehnsucht, ist die Farbpalette voll bestückt und düster gehalten.
Ich ekel mich vor mir selbst und der Benutzung dieses Fehlers da unten. Ich beweine meine Unfähigkeit zur Beherrschung, dem einfachen Ausbruch aus Allem und der Konsequenz einfach diesen einen letzten Schritt zu gehen. Ich möchte dieses rücksichtslose, egoistische, missbrauchende und verlogene Monster in mir/ mit mir umbringen. Es ist schwer bis kaum zu ertragen, wenn man sich regelmäßig und subjektiv meine ich, die Abstände werden wieder kürzer, in ein triebhaftes, intrigantes Wesen verwandelt, welches die eigenen Vorstellungen von Moral mit Füßen tritt, auf diese Spuckt und gepflegt scheißt. Auch wenn sicher gleich wieder einige ‚Sexismus!‘ plärren werden: ich sehe in diesem Ding, in und an mir, das Problem mit dem Rest-Mann, der da ist, der sich irgendwie in den wirren meines pubertären Kopfes entwickelt hat – mein eigenes negatives Vorurteil und schlechtes Bild von der Männerwelt. Ich denke, ich war schon vor dem Missbrauch und der ständigen und wiederholten Belästigung kaputt.
Ich bemerke an mir eine Form der Doppelmoral die ich nicht nur an anderen kritisiere und hasse, sondern auch an mir – an mir sogar am Meisten!

Ein anderes, eigentlich ganz gleiches und doch wieder unveränderliches Problem: meine Träume, mein Denken und Fühlen.
Vollkommen rational wird man sicher das tolle Wetter, das Erwachen des Frühlings und damit verbunden die Ausschüttung irgendwelcher Hormone als Erklärung finden können, doch nutzt mir das auch nicht mehr als ein Finger im Auge, wenn mir der Arsch juckt!
In der vergangen Nacht war es wieder so weit, dass mir meine ermordete Liebe im Traum erschien, Sie lebte und wir meisterten ein total irres Abenteuer, als sei Sie nicht schon seit fast 9 Jahren tot. Sie war kaum gealtert, hatte es gut, war provokant und reizvoll wie immer. Ich hatte mich weiter entwickelt und auch wenn Sie mich damals schon immer „Ihre Süße“ nannte, war es dieses Mal anders – es war natürlicher, war ich doch weiblicher als noch vor 9 Jahren. Der Verkehr vor dem Fenster, meine Nachbarn oder einfach nur mein unglaublich schlechter Schlaf – irgend etwas weckte mich, als wir unsere Prüfung grade gemeistert hatten. Ich bekam keine Erklärung wo Sie war, kein erneutes Lächeln, keinen Kuss. Als ich wach wurde, verspürte ich Kälte, ärgerte mich, dass ich keine Stunde, seit dem letzten Blick auf die Uhr, geschlafen hatte und als mir bewusst wurde, wer mich da eben im Traum begleitete, sank ich leblos ins Kissen und starrte an die Decke. Der Traum kam wieder, die Kälte begann zu schmerzen und ich verlor für quälende Minuten die Kraft zu jeglicher Bewegung, vom trägen Atmen und vereinzelten Zwingern abgesehen.
Irgendwann raffte ich mich auf, starte verkatert in den Tag, ohne am Vortag getrunken zu haben, doch hatte ich in der Nacht einen allergischen Asthmaanfall, der schlaucht. Immer wieder geht mir Ihr Gesicht durch den Kopf – ich sehe es vor mir, sehe Ihr Lächeln, dieses kleine Lächeln. Immer wieder klage ich mich selbst an, sie nicht beschützt zu haben, immer wieder steigt der Druck hinter den Lidern und ich möchte einfach weinen. Sie fehlt mir, auch nach 104 Monaten, noch immer schrecklich. 30 Wäre Sie dieses Jahr geworden und sicher hätte viel zu berichten. Sicher hätten wir uns in der Zeit wieder hunderte Male gezofft und doch am Ende erkannt, dass wir uns doch irgendwie brauchten, weil wir uns ergänzten, auch auf uns achtgaben.
Oft vermeide ich es, die wenigen Bilder von Ihr anzusehen, um einfach dem Schmerz aus dem Weg zu gehen, grade musste ich einfach prüfen, ob ich Sie noch richtig in der Erinnerung habe. Ich habe es – aufs Haar genau.
Sie war nicht meine erste Freundin und nach unserer ersten Trennung, hatte ich so mache Beziehung, wie auch Sie, doch war Sie eine von denen, wenn nicht gar Die Eine, die mein Ideal von einer Partnerin geprägt hat. Nach dieser Trennung waren wir Freunde, ich würde meinen beste Freundinnen. Als Partnerin und Liebe vermisse ich Sie schrecklich, als beste Freundin, ist ein Teil von mir gestorben, vom dem ich nicht einmal wusste, dass ich ihn hatte und dass er so weh tun kann. Phantomschmerz, denke ich.
Bis auf zwei je zehnwöchige Beziehungskeimlinge, denn zu einer Beziehung konnten sie in der kurzen Zeit nicht erwachsen, bin ich nun seit dieser Frau allein. Sicher, ich verliebte mich, doch dazu jemanden zu lieben, kam ich seither nie wieder, auch wenn ich das gern ändern möchte. Ich habe Angst, bin vielleicht zu verwöhnt, zu anspruchsvoll, habe ein schlechtes Gewissen weiter zu gehen – obwohl ich mich doch so sehr sehne. Ich liebe zwei Frauen abgöttisch – eine Verheiratet und seit 10 Jahren unwiderruflich von mir getrennt, die andere, Sie, seit 2009 tot.

Mich selbst, habe ich gelernt zu mögen, doch von einer Liebe mir gegenüber, bin ich unbeschreiblich weit weg.
Um so schmerzhafter, wenn eingangs beschriebene Phasen zur Häufung auftreten und es kein Paar liebende Arme mehr gibt, die mich fangen.

Der erste Traum nach Ihrem Tod wollte mir diesen noch als Traum verkaufen und suchte darin die Ausrede, dass Sie nie gestorben sei, sondern sich den Fuß brach und daher nie bei mir ankam. Ein netter und kaum tröstlicher Versuch, liebes Unterbewusstsein! Wäre ich nicht mehr erwacht und ewig bei Ihr im Traum geblieben, wäre das ein Trost gewesen.
Sie wäre wahrscheinlich sehr stolz auf mich, hat sie mich doch als Frau als Erste akzeptiert, gefördert und bestätigt, würde sich freuen, was ich in der Zeit ohne Sie, der Trauer und der Sehnsucht Ihr zu folgen, zum Trotz, geschafft habe. Wahrscheinlich wäre ich, mit Ihr an meiner Seite schon den Weg zur OP gegangen und hätte von Ihr, wie angedroht, den Bauchnabel gepierct bekommen. Ich hätte gern die Nadel gespürt, gern tausende davon und Schlimmeres, wenn ich dafür auch nur noch eine Gelegenheit erkaufen könnte, nur noch einmal mit Ihr zu reden, Sie in den Arm zu nehmen und mich endlich von Ihr zu verabschieden. Es sind drei Worte, die bei einem Menschen ein Hochgefühl auslösen, es sind die drei Worte, die ich seither immer dann krampfhaft auf den blassen Lippen habe, wenn ich denke, dass es Zeit ist, dass ich gehe, doch haben sie keine Adressatin mehr. Sie kommen zu spät.

Ich möchte noch einmal diese Kraft und Selbstsicherheit spüren, die mit Ihr an meiner Seite hatte und die Sie immer wieder bewundert hat und die Sie als sicheren Hafen und Bollwerk wusste.

An sich sollte ich glücklich sein, sollte motiviert in die Zukunft blicken und mich vorbereiten, da ich beim Test in Köln gut abschneiden konnte und bestanden habe. Vom Traum vom Studium und einem guten Geld und vielleicht neuen Freuenden, trennt mich noch ein Test, eine erneute Reise und meine eigene Angst vor mir und der Zukunft.

Musikalisch (auch optisch) ein recht guter Spiegel meiner Gefühlswelt:

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