Integration, Inklusion, Randerscheinung…

Keine Sorge! Keine Politik, keine Flüchtlinge!

Viel wichtiger als die Dinge die mich nicht angehen, sind mir an der Stelle die Dinge, die mich doch selbst betreffend. Also habe ich mir grade mal wieder so meine Gedanken zur Position und Akzeptanz von Transsexuellen in der Gesellschaft gemacht und die Richtung in die diese Gedanken gehen, finde ich widersinnig, wenn nicht gar erschreckend.

Natürlich kann ich an der Stell nur aus meiner Erfahrung und meinen Beobachtungen meine Schlüsse ziehen, ich bitte meine Worte also nicht auf Alles und Jeden zu münzen!

Während ich im Alltag eine überwiegend positive Wahrnehmung im Umgang mit meiner Person habe, sind es ausgerechnet solche Gruppierungen und Szene, die sich selbst irgendwie am Rande von Allem befinden, in denen die Haltung gegenüber Transsexuellen reserviert ist.

Sicher, auch im täglichen Leben gerät man Mal an jemanden, der engstirnig ist, es nicht begreift, oder einfach anti ist, aber das sind doch eher die Ausnahmen und hängen auch viel damit zusammen, wie lange man mich kennt und wie ich selbst an dem Tag drauf bin. Während mein ‚Dönermann‘, zu dem ich immer gehe, mich (auch im Kleid) irgendwie als Mann anspricht, als „Mein Freund“, „Junger Mann“ usw. (ich hab ihn mal berichtigt – bringt nichts) von sich gibt, war ich heut‘ wo anders meine Droge kaufen und der ‚Dönermann‘, sprach mich trotz Kampfhose und Bomberjacke ganz selbstverständlich als „Junge Dame“ an. Tat echt gut!
Gut, am Telefon ist es oft schwierig den/die Gegenüber davon zu überzeugen, dass sie sich nicht verwählt haben, oder dass man sich grade selbst Frau Sowieso genannt hat.
Gut, auch bei der Arbeitssuche schauen, vor allem ältere Herren, mal komisch, wenn ich den Mund auf mache… sei’s drum!

Diesen Leute kann ich immerhin nicht zum Vorwurf machen, dass sie in einer Tour etwas von Toleranz und Offenheit faseln, oder sich darüber beschweren, dass sie keiner lieb hat!

Ganz anders meine Erfahrungen in diversen Subkulturen. Wenn ich an der Stelle mal die eher Extreme meiner Person ausklammere, zeichnet sich aber dennoch ein Bild, das ich nicht verstehe.
Dass man in den Lagern am rechten und religiösen Rand auf eher wenig Gegenliebe stößt, finde ich zwar nicht in Ordnung, es verwundert mich jedoch kein Stück. Steht ihr Weltbild sexueller Diversität in der Regel doch ablehnend gegenüber. Offiziell zumindest: ihr könnt mir glauben, ich habe eine Zeit lang erstaunlich viele Anfragen von männlichen Subs mit einschlägigen Tattoos, oder NS (Kein Natursekt!!!) Beflaggung des Wohn-, oder Kinderzimmers gehabt, mit Interesse an Windeln, Zwangsfeminisierung, Scheiße fressen (sorry, wenn die Formulierung Einigen zu hart ist) und ähnlichen Dingen, die Onkel Adolf sicher nicht soooo dufte gefunden hätte und die in der Lagerakte den Eintrag ‚entartete sexuelle Neigungen‘, nach sich ziehen dürften, so das 4. Reich uns beschert wird.
Vom fehlenden politischen Hintergrund einmal abgesehen, wundert mich auch die Ablehnung einer Transsexuellen unter chauvinistisch geprägten Hools nicht.
Ähnlich verstehe ich auch irgendwo, dass man in der Deutschrock-, Skinhead-, Oi-Subkultur nicht den einfachsten Stand hat.
Was mich hingegen schon mehr wundert, ist die Ablehnung, die mir aus der Blackmetalszene entgegen schlug. Vor dem Hintergrund, dass so gut wie alle großen Interpreten der Szene etwas von Selbstverwirklichung (Selbstvergottung sogar) und der Ablehnung gesellschaftlicher Konventionen schwafeln, finde ich immer belustigend und beschämend zugleich, wie elitär man sich in dieser Szene gibt. Meine Fresse, ich habe Hupen, habe eine Stimme die Onialar (DNS) in Nichts nachsteht (wobei ich auf ihre Haare mega neidisch bin!!!), bin so fucking-trve-homo wie Ghaal (ex Gorgoroth) es ist, ist es da nicht egal, was ich in der Hose habe und/oder hatte?! Sicher werden nun einige sagen: es gibt doch auch Nazis im Blackmetal! Stimmt, die gibt es, die erfahren aber zum Glück noch mehr Ablehnung als ich. Ätsch!

Was ich aber so überhaupt nicht verstehe, ist der Stand, den man in den verschiedenen (teils künstlich aufgefächerten) Szenen rund um BDSM hat. Wenn man sich dort als authentische Transsexuelle auf die Suche nach einer Partnerin begibt, wird man behandelt wie eine Aussätzige. Ich habe es nun mehrfach getestet: Steht schon im Titel, dass es sich bei der Suchenden um eine Transsexuelle handelt, erreichen schon die Aufrufe der Threads nur den Bruchteil dessen, dem was ein Thread vom Titel „Mami suchte Baby“ (super kreativ, ich bin!), erzielen würde. Von den ernstgemeinten Zuschriften ganz zu schweigen… Ich bin mir nicht sicher, ob es vielleicht an mir selbst liegt, dass mein Feedback da so mager ausfällt. Vielleicht bin ich zu hässlich, zu anspruchsvoll schon in der Suche, zu dumm – kann ja sein? Für viele scheint es ein Problem zu sein, dass ich Polygamie für mich ablehne und dass ich mich derzeit als fast asexuell definiere.
So manövriere ich mich wohl auch bei den jüngeren, die sonst eher mit Trans-was-auch-immer, weniger Probleme haben, ins Abseits.

Vergleichbar ist die Enttäuschung mit der Ablehnung, die man aus den Reihen der Elitelesben erfährt, die sich lieber den ganzen Tag über Müsli, Gleichberechtigung, Rainbowrefugees, gegen die AfD, dann wieder über ihr schweres Leben (das sich den ganzen Tag über diese und andere Themen gegenseitig beipflichten zu müssen), austauschen, statt die gepredigte und geforderte Offenheit und Toleranz, auch denen gegenüber zu üben, die ihnen vielleicht nicht in den Kram passen.

Sowohl der schwarz-bunten verhau-mir-den-Windelpopo-binde-mich-an-führ-mich-Gassi-Szene, wie auch den Leckmuschelliebenden-68er-Elitelesben, kann ich nun aber endlich den Vorwurf machen: Ihr redet von Toleranz, Selbstverwirklichung und Offenheit und seid selbst so auf eurem Standpunkt versessen, so in eurem Ideal verfangen, dass andere Meinungen und Lebensweisen kaum eine Chance haben, von einer anderen Sexualität, Mal ganz zu schweigen.
Warum fordert ihr von anderen Dinge, die ihr nicht bereit seid zu geben?

Genug in Rage geschrieben!

Es gibt auch echt Szenen, in denen man recht gut aufgenommen wird und als Unikum unter vielen Individuen aufgeht: Unter Punks, vor Allem aber unter Gruftis! Nach meinem Ausstieg aus der extremen rechten Jugend um einen Wohnort und Lebensmittelpunkt, bin ich immer wieder zwischen Oi!- Skins, Punks und Knochenlutschern umhergeirrt, habe mich letztlich irgendwo dazwischen eingerichtet, wurde aber (bis zum Outing auch bei den Skins) immer sehr herzlich aufgenommen. Klar, auch unter den Punks ist man Mal angeeckt, oder hat paar auf die Schnauze bekommen, wenn die eine als ehemaligen Bonehead erkannten und wenn man da noch ’ne offene Rechnung hatte, aber sonst, lasse ich auf diese Szene, von den politisch Radikalen abgesehen, echt nichts kommen!

So sehr ich mir auch das Hirn martere, ich komme nicht wirklich an die Gründe für dieses Bild, für diese Wahrnehmung.
Persönlich habe ich den Eindruck, dass man als transsexuelle Frau, vor allem im Umfeld der BDSM/Fetisch-Szene noch immer als eher moralisch flexibel und leicht zu haben gilt. Zumindest deute ich es so, wenn ich so manche Post in meiner Mailbox widerwillig betrachte. Manchmal scheint es mir, als sei die Landläufige Meinung: „Hey, du bist trans, du bläst also und lässt dich entmenschlichen! Hier ist ein Bild von meinem Pimmel und ab jetzt nenne ich dich Kühlschrank!!!“ Phasenweise kam ich mir schon vor, als sei ich über Nacht zur Urologin geworden. Betreffende Postfänger wurden über die Jahre stillgelegt.

Nee! Dafür bekomm‘ ich zu wenig Geld!
Herr Ober, die Rechnung!

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