Gescheitert

Wenn ich ganz ehrlich bin, ich kann es noch immer nicht richtig fassen, aber es ist wohl so wie es ist.

Nachdem ich Montag nun endlich meinen Termin zur Musterung und zum Einstellungstest bei der Bundeswehr aus dem Briefkasten geholt habe und nun alles in Bewegung setzte, um zu diesem Termin fit und entsprechend ausgestattet zu sein, ist der Traum nun schon wieder vorbei.

Um das Missverständnis der zur Anamnese benötigten Unterlagen aus der Welt zu schaffen (man schickte mir einen Befundvordruck für eine gynäkologische Untersuchung) , fragte ich per eMail an der entsprechenden Stelle an. Heut‘ bekam ich dann einen Anruf, den ich erst verpasste, auf den ich mich dann aber zurück meldete. Eine freundliche junge Dame bei der Bundeswehr informierte mich, dass sie Rücksprache mit dem zuständigen Stabsarzt gehalten hat und dass dieser nun die entsprechende Verwaltungsvorschrift konsultiert hat und dass ich, so wie ich bin, keine Diensttauglichkeit bescheinigt bekomme.

Transsexuelle Menschen beim Bund sind kein Problem – sie müssen aber mit der Trasition bereits zum Abschluss gekommen sein, dazu gehört auch die erfolgte geschlechtsangleichende Operation.

Jetzt darf ich das Pferd also von hinten aufzäumen (das klingt falsch!). Ursprünglich war mein Plan, die OP nach der Lehre in Angriff zu nehmen, wenn ich mich durch meine Qualifikation und mein Engagement für eine Firma, oder besser noch die TU wichtig gemacht und vielleicht sogar schwierig ersetzbar gemacht habe. Der erste Teil des Plans, scheiterte ja schon an der Uni selbst, die mich mit der Pflicht-Übernahme von 6 Monaten abspeisten und gehen ließen. Nun kam ich in keine Firma rein, weil ich immer im Kopf hatte, dem Bund den Vorrang zu gewähren. Entweder verkaufte ich mich entsprechend ungeschickt, oder war dumm und ehrlich genug, es offen anzusprechen, was mein Plan ist.
Jetzt stehe ich also ohne alles da, muss krampfhaft Klinik und Operateur suchen, dort einen Termin machen, mir einen Kostenvoranschlag geben lassen, damit zur Kasse rennen und hoffen, dass diese schnell und unkompliziert ‚Ja!‘ sagt. Dann darf ich eine unbestimmte Zeit warten, in der ich mich wahrscheinlich noch nicht einmal in einer Firma richtig eingearbeitet habe, bis ich den Termin zur OP bekomme. Wenn es dann endlich so weit ist, falle ich lange aus, muss mindestens noch einmal unter das Messer und falle wieder eine Weile aus. An Sport ist am Anfang nicht zu denken, so dass ich also wieder eine Ewigkeit brauchen werde, bis ich wieder anfangen kann zu trainieren. Dann muss ich mein Trainingsniveau wieder erreichen und mich neben der Arbeit, die ich dann hoffentlich noch habe, erneut beim Bund bewerben. Optimistisch gerechnet, also frühster Eintritt in reichlich 2 verfickten scheiß Jahren, in denen ich wieder nichts richtig, wenn überhaupt halbherzig auf die Reihe bekommen kann.

Man kann sich vielleicht vorstellen, wie gut ich also drauf bin. Weitere 2 Jahre die ich in dieser beschissenen Stadt, in dieser Dreck-Bude mit asozialen und verblödeten Nachbarn verbringe.

Ich habe mir verschiedene Gedanken zum Thema gemacht und suche irgendwo eine Rechtfertigung, dieser Regelung. Ich finde keine! Für mich ergibt das alles schlicht keinen Sinn.
Wenn man argumentiert, dass die Amputation der Hoden, die Einnahme von Androcur überflüssig macht, entgegne ich, dass dies nicht verbrieft ist und dass im Einzelfall die Einnahme weiter notwendig sein kann, wenn zum Beispiel die Nebenniere so viel des Aggro-Stoffs produziert, dass es sich negativ auswirkt. Östrogen muss man, so oder so, auch nach er OP sein Leben lang weiter einnehmen.
Ein weiterer Gedanke war, dass es rein kosmetischer Natur sei. Wobei ich mich dann jedoch frage, bei welcher Gelegenheit man den Unterschied da unten sehen sollte, wenn man mal das Schwimmen vernachlässigt? Geht es vielleicht um die Befindlichkeit der anderen Frauen, die mit einem die Stube teilen? Das wäre vielleicht irgendwo nachvollziehbar, aber auch da, halte ich es eher für irrelevant, was man zwischen den Beinen hat, oder ich habe ein falsches Bild vom Bund. Vielleicht will man aber auch Anfeindungen schon im Vorfeld die Basis nehmen. Als wäre das Schniedelchen das Einzige, was von der Migration aus dem Männerlang hängen bleibt (böser Wortwitz)!
Logisch erscheint mir, dass Kostenübernahme und die ärztliche Behandlung von Soldaten und Angehörigen der Bundeswehr anders geregelt ist, als bei uns „Normalos“. Vielleicht ist es einfach ein Kostenfaktor, den man klein halten will. Aber im Ernst: wie viele Transsexuelle werden schon beim Bund eine Laufbahn anstreben?

Ich denke, es ist viel mehr ein historisches und verstaubtes Problem, welches da den Hintergrund bildet. Männer haben Schniedel und Frauen haben Mumus und nicht eventuell anders herum.

Ich denke da immer an den Fall des (Trans-)Mannes, der Polizist werden wollte, dem man aber die Diensttauglichkeit versagte, weil er nach Dienstvorschrift als Mann, 2 gesunde Hoden haben musste, um tauglich zu sein.

Ich lehne mich an der Stelle einfach einmal weit aus dem Fenster und behaupte, dass ich, egal ob Eier, Würstchen oder Pflaume, einem Mann in vergleichbarer Physis in nichts nach stehe, da ich viele vermeintliche Defizite auch einfach mit Ehrgeiz wett mache. Leider ist es aber an dieser Stelle so, wie so oft im Leben, man bekommt gar nicht erst die Möglichkeit sich zu beweisen.

Stempel drauf und abtreten!

Aber sind wir mal ehrlich:
Was macht die Frau zur Frau?
Was macht den Mann zum Mann?
Was macht die Hex‘ zur Hex‘?
Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass mehr das Verhalten, die Wesenszüge, die geschlechtliche Wahrnehmung wichten, als es nur die Kleidung oder das restliche Äußere kann.
Steck Horst den Baubudenrülps in ’nen Fummel, mal ihn hübsch an, mach ihm die Haare und stell ihn auf Heels. So lang wie er sich rülpsend am Arsch kratzt und verbal-Kot produziert, über die Blöd-Zeitung und Fußball quatscht, wird ihn niemand als Frau wahrnehmen, auch wenn seine Klöten in den guten Feinrippslips so geschrumpft sind, dass Frauen Mitleid bekommen würden. Das soll natürlich nicht heißen, dass es nicht auch Frauen gibt, die sich wie Horst verhalten. Genug der negativen Sinnbilder!

Der grundlegende Unterschied und das Alleinstellungsmerkmal der beiden Gattungen:

Mann kann Leben zeugen – Frau kann Leben gebären!

ALLES ANDERE, können Männer und Frauen allein, gemeinsam, unter sich, sehr gut und brauchen das Gegenstück nicht. Also was ist heut‘ noch männlich und was weiblich? Ich meine, den Durchschnitt betrachtend, vollzieht man diese Alleinstellungsmerkmale nicht all zu häufig im Leben, wenn man von den asozialen Gebärmaschinen in dritter Generation ALG II absieht, bei dem selbst dem ollen Adolf irgendwann die Mutterkreuze ausgegangen wären!
Also, was machen wir den Rest der Lebensspanne mit unserem Mann- und Frausein? Eigentlich nichts, wir sind Mensch! Oder wir betonen wie männlich wir sind, weil wir kompensieren müssen, dass wir daheim heimlich in Mamas Schlüpfer auf Abrissbirnen reiten wollen..!

Ich sitze fest, bin gefangen und erkenne immer mehr, dass ich nicht nur ein Problem mit mir habe, sondern dass dieses Problem auch andere mit mir haben, die es eigentlich nicht mehr angeht, als eine alberne Dienstvorschrift.
Aber so ist das nun mal und ich gebe ihnen sogar bedingt Recht: so wie ich jetzt bin, bin ich bestenfalls eine groteske Chimäre. Zur Frau fehlt mir die Liebe und die Akzeptanz meiner selbst gegenüber, durch mich und durch die Eine.

Ich will raus – ich will weg – ich will aus meiner Haut!

 

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