Ich bin, also schreibe ich..!

Tiefsinnig, oder?

Eigentlich wollte ich heut‘ nicht schreiben, aber irgendwie ging mir grade auf, dass ich vor 10 Jahren bereits das erste Silvester komplett allein und damals sogar abstinent gefeiert habe. Eigentlich hat sich der Abend nicht von diesem Unterschieden, bis auf die Tatsache, dass ich damals zwar traurig war, aber irgendwie das Gefühl hatte, dass es nur noch bergauf geht.

Also blicke ich heute nicht nur auf ein Jahr zurück, sondern auf eine Dekade, in der sich in meinem Leben so viel getan hat, wie in den 21 Jahren davor nicht. Wenn ich einmal die ganze Scheiße ausblende, dich ich in den Jahren vor dieser Dekade gemacht habe.

Wenn ich so drüber nachdenke, dann war das Silvester 2007 auf 2008 ein Scheideweg an dem ich natürlich den falschen Weg gewählt habe.

Eigentlich hatte ich was ich wollte, aber nicht das, was ich brauchte. Ich hatte eine Frau die ich geliebt habe, wie davor nur Eine und danach nie wieder eine. Leider war diese Liebe nur noch eine Einbahnstraße und ich war es, die gab, aber nichts mehr bekam. Was ich auch versuchte, sie hielt mich auf Abstand. Meine Reaktion, ich holte mir die Nähe die ich brauchte bei einer Anderen und betrog sie mit dieser Frau, statt einfach nüchtern und traurig ins Bett zu gehen. 6 Tage später war Schluss, nachdem ich es ihr gleich am nächsten Tag beichtete. Wieder per Mail, wie es immer der Fall war und ist. Am 07.02.2008 habe ich Sie noch einmal getroffen um mich mit ihr auszusprechen und musste erfahren, dass sie froh war, dass ich sie endlich betrogen habe und ihr so nun den Grund gab mich zu verlassen, den sie seit Monaten suchte. Damit es am Ende auch richtig weh tut, wollte auch meine Affaire nach dieser Erfahrung nicht mehr von mir, als dass wir Freunde sind.
Eigentlich war dies der Auftakt in eine Dekade voll Pech, Unheil, Verletzung und Misstrauen. Und ich bin selbst Schuld, wie ich nun erkennen muss.

Ich eilte von Affaire zu Affaire, von kurzer Beziehung zu Beziehung und von Traurigkeit zu Traurigkeit, bis ich mich im Sommer 2009 mit der Frau wieder zusammen geraufft hatte, die ich mehr als Alles liebte, als Erste! Nur wenige Wochen hielt unser fragiles Glück und wurde je beendet. Ihr wurde das Leben genommen und ich denke es ist nicht übertrieben zu sagen, dass auch mir und anderen ihrer Lieben das Leben geraubt wurde. Seit dem bekomme ich in Sachen Beziehung nichts mehr auf die Reihe, bin übervorsichtig, wie eine Glücke und Empfindlich wie ein rohes Ei. Einfach lebensunfähig.

Auch wenn ich Karieretechnisch immer wieder einen Schritt voran kam, so starb ich emotional immer mehr ab, Beziehungsweise wurde ich unkontrollierbar. In 8 Jahren, zwei Konstellationen, die zwar an eine Beziehung erinnerten, die ich mich aber nun weigere so zu bezeichnen, da beide bereits zerbrachen, bevor man sich richtig kennengelernt hatte.

Und nun? 10 Jahre Später, sitze ich wieder allein da, an einem Tag, an dem alle feiern und mir selbst Kartoffeln erklären, dass man gesellig sein sollte. Aber warum? Ich bin das ganze Jahr allein, einsam und muss mir selbst eine gute Nacht wünschen und hoffen, dass ich mich nicht irgendwann einfach umbringe, weil ich mich selbst nicht einmal mehr ertrage. Warum sollte ich es also genau heute ändern?
Tatsächlich habe ich mir genau vor einem Jahr geschworen, dass ich nicht noch ein Silvester allein verbringe, dass ich heute am Meer sein würde, mit dem eigenen Auto. Dass ich einfach frei sein würde und endlich in der Lage wäre auszubrechen. Sollte ich wieder allein daheim hocken und nur darauf warten, dass das Geböller auf ein erträgliches Maß abnimmt, dass man Schlafen kann, werde ich mich umbringen. Ich sitze wieder allein hier und ich muss gestehen, der Gedanke daran, sich einfach eine Kugel durch den Kopf zu schießen, ist verlockend. Leider gibt es da nur drei Probleme:

Ich kann und will meine Plüschies nicht einfach allein lassen! Das wäre nicht fair ihnen gegenüber!

Ich will wenigstens noch einmal das Meer sehen!

Ich habe keine scharfe Waffe und mit einer Schreckschusswaffe ist es zwar möglich, sich zu töten, aber das ist genau so sicher, wie sich schlampig aufzuhängen, zu vergiften, oder sich die Pulsadern aufzuschneiden. Im dümmsten Fall überlebt man, sieht aber aus wie der Glöckner… also nicht Harald Glööckler, sondern der Typ da in Paris, in der dicken Kirche.

Ich mache also weiter, aber ich gestehe, ich weiß gar nicht mehr warum ich es mache. Wieder funktioniere ich nur, wie eine Maschine.

Was hatte ich vor 10 Jahren?
Haben:
– Freundin
– beschissenen Hauptschulabschluss
– ALG II
– nette Wohnung mit kack Nachbarn
– Gesundheit
– Platz an der Abendmittelschule
– Lebenshunger
Soll:
– vernünftigen Abschluss
– Arbeit
– wirtschaftliche Selbstständigkeit
– psychische Gesundheit
– Führerschein und Auto

Was habe ich heute?
Haben:
– beschissenen Hauptschulabschluss
– sehr guter Realschulabschluss
– mittelmäßiges Fachabitur
– guten Facharbeiter
– gutes Einkommen (noch diesen Monat)
– Namens- und Personenstandsänderung
– Hormontherapie
Soll:
– Freundin
– Freunde und Bekannte
– Gesundheit physisch und psychisch
– sichere Arbeit ohne Befristung
– Führerschein und Auto
– schöne Bude ohne kack Nachbarn
– Lebensmut/Lebensfreude
– Selbstvertrauen

Materiell eine gute Entwicklung, sozial eine Katastrophe… ich sitze 5 Minuten vor Mitternacht hier, heule und blogge. Glückwunsch!

Frohes Neues, Lili! Auf dass es besser wird!

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